Von Bettina Wurche
Eine Fruchtfliegenmutter legt auf einer reifen Banane bis zu 400 Eier ab. Schon einen Tag später schlüpfen daraus weißlich-opake sechs Millimeter große Maden, die sich schnell verpuppen. Bei hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit streifen sie nach einigen Tagen ihre Kokons ab und umschwirren im Sommer einige Wochen am liebsten Obst und Gemüse. Nur die letzte Generation des Jahres lässt sich mehr Zeit – sie überwintert im Kokon an einem frostfreien Platz, in Obstlagern oder auf Mülldeponien.
Ein kleiner Pottwal hingegen braucht von der Entwicklung aus der befruchteten Eizelle 14 bis 16 Monate, bis er, vier Meter lang und eine Tonne schwer, mit dem Schwanz voran ins Meeresleben schwimmt.
Es vergeht also ganz verschieden viel Zeit, bis eine nächste Generation das Licht der Welt erblickt: Manchmal dauert die Entwicklung von der befruchteten Zelle bis zum Schlüpfen oder zur Geburt nur Stunden, manchmal über ein Jahr. Wie lange die Individualentwicklung (Ontogenese) im Ei oder Mutterleib braucht, hängt unter anderem von der Komplexität und Größe der Art ab. Schließlich müssen sich aus einer Zelle in vielen kleinen Schritten nach einer festgelegten Reihenfolge unterschiedliche Gewebe und Organe entwickeln, bis ein kleines, funktionsfähiges Lebewesen entsteht. Bei einigen Tiergruppen wird die ganze Ontogenese im Ei oder Mutterleib abgeschlossen, bei anderen wird ein Teil in Jugendstadien wie Larven „outgesourct“.
Kopflosen Wabbeltiere
Quallen sind vermutlich vor über 500 Millionen Jahren entstanden und recht einfach gebaute Tiere. Bei den meisten der Geleewesen geben Weibchen und Männchen Eier und Samen einfach ins Meer ab. Dann dauert es bei der zentimetergroßen Qualle Clytia von der Befruchtung nur 24 Stunden, bis die Larve schlüpft und sofort selbstständig frisst und umherschwebt. Der Winzling muss neben wenig komplexen Organen und Geweben nur eine geringe Masse aufbauen. Allerdings muss der Nesseltier-Nachwuchs dann noch eine Metamorphose, einen Gestaltwandel zum Polypen, durchlaufen: Der siedelt sich auf Steinen, Wrackteilen oder Hafenanlagen fest an und angelt mit den nach oben gestreckten Fangarmen kleine Beute. Diese Polypen vermehren sich ungeschlechtlich: Sie teilen Scheibchen von sich ab, was oft kaum mehr als eine Stunde dauert. Diese Klone wachsen dann wieder zu Quallen heran, die sich geschlechtlich vermehren.
Solch ein Wechsel zwischen zwei Gestalten sowie geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Fortpflanzung – ein sogenannter Generationswechsel – kommt auch bei einigen anderen Tieren vor, etwa bei Salpen, das sind freischwimmende Meerestiere, die sich von Plankton ernähren. Die Abschnürung von Klonen geht sehr schnell, während die geschlechtliche Fortpflanzung etwas länger dauert. Dafür schützt der Austausch des Erbguts zwischen Weibchen und Männchen vor Erbgutschäden und bringt stetig neue Varianten hervor. Damit kombinieren sie die Vorteile von zwei Fortpflanzungswegen.





