Dieter Hoffmann, ausweislich des Klappentexts „Historiker, Journalist, Dozent, Lehrer und PR-Experte“, untersucht die Ursachen des Krieges, der das 19. Jahrhundert beendete und das 20. Jahrhundert in fundamentaler Weise prägte. Er sieht seine zentrale Ursache darin, dass das „deutsche Militär“ (hier wünscht man sich eine stärkere Differenzierung der innermilitärischen Positionen) den Krieg vom Zaun gebrochen habe. Dies sei aber nicht als aggressiver „Griff nach der Weltmacht“ (Fritz Fischer) zu werten. Tatsächlich sei die militärische Führung über das Erstarken Russlands besorgt gewesen und habe mit einem Präventivschlag der Verschlechterung der für das Deutsche Reich nachteiligen Zweifrontenlage zuvorkommen wollen. Dabei habe das Militär mit seiner Kriegsplanung den Spielraum der Politik stark eingeschränkt. Die Politik ihrerseits habe ihren Führungsanspruch preisgegeben.
Diese Interpretation hat zwar viel für sich. Der Ausbruch des Weltkriegs – und das ist der Maßstab, an dem man das Buch nach dem Titel messen muss – ist damit jedoch keinesfalls erschöpfend erklärt. Vielmehr wäre dieser Befund mit den Kriegshaltungen in den anderen europäischen Staaten in Beziehung zu setzen. Gegen den Willen seiner Alliierten und seiner Gegner hätte nicht einmal die vermeintlich kriegstreiberische preußisch-deutsche Militärführung den Weltkrieg entfesseln können.
In dieser doch recht traditionellen, nationalen Perspektive liegt eine Schwäche des Buchs. Dafür ist es spannend geschrieben, und der Autor ist bemüht, auch neuere Forschungen der Fachwissenschaft mit einfließen zu lassen. Allerdings erschwert das Hin-und-her-Springen in der Chronologie mitunter das Verständnis. Das Kapitel, in dem Hoffmann abschließend noch den Verlauf des Weltkrieges schildert, ist kursorisch und entbehrlich. Hinzuweisen ist auf das lesenswerte, weil durchaus kritische Vorwort von Peter Graf von Kielmansegg. Die Idee, die Karten in die Innenseite des Schutzumschlages zu drucken, ist problematisch, denn sie führt dazu, dass die Karten in den Bibliotheksexemplaren fehlen werden, denn dort wird der Schutzumschlag in der Regel entfernt.
Rezension: Dr. Markus Pöhlmann




