Das Gespräch führte TAMARA WORZEWSKI
Frau Prof. Dr. Schwerdtle, warum ist nicht jede Gefahr gleich ein Risiko?
Der Unterschied zwischen einer Gefährdung und einem Risiko lässt sich mit einem Bild erläutern: Wenn ich einem Löwen im Zoo hinter einem Gitter gegenüberstehe, dann ist es lediglich eine Gefährdung, denn ich bin ihm nicht ausgesetzt. Wenn ich einem Löwen jedoch in freier Wildbahn begegne, dann ist es für mich ein hohes Risiko. Das Gleiche kann man für Stoffe ableiten. Wenn ein Stoff in einem Lebensmittel ist, der eine bestimmte Gefährdung darstellt, ist zur Bestimmung des quantitativen Risikos wichtig zu wissen: Sind wir diesem Stoff überhaupt ausgesetzt? Und falls ja, wie viel konsumieren wir von ihm? Wenn eine Gefahr identifiziert wurde, setzen wir sie also in Relation zu dem Ausgesetztsein, zur sogenannten Exposition, um ein quantitatives Risiko abzuschätzen.
Was ist der Status quo bei DMMTA?
Wir sind bei diesen organischen, schwefelhaltigen Verbindungen noch nicht mal so weit, dass wir die Gefährdung qualitativ festlegen können. Wir haben bislang lediglich Studien zum Vorkommen in menschlichen Zellen und Zellsystemen. Wir haben aber keine Studien zu Tieren, wir haben keine Studien zum Menschen, und wir haben auch keine Datenbasis für die Exposition.
Sollten schnell Tierversuche folgen, um die Gefährdung für Menschen zu ermitteln?
Für mich als Risikobewerterin steht natürlich der Schutz der Gesundheit des Menschen immer ganz vorn. Bei anorganischem Arsen gibt es ein generelles Problem, denn es ist beim Menschen krebserregend, im Tier aber nicht. Es gibt allerdings organische Arsenverbindungen, die Krebs im Nager verursachen. Das heißt, die Situation ist sehr komplex. Wir sind dabei herauszufinden, inwieweit eine Tierstudie hilft, das Gefährdungspotenzial für den Menschen bezüglich DMMTA im Reis quantifizieren zu können.
Was genau könnte in einer Tierstudie untersucht werden?
Beim Menschen weiß man vieles noch nicht: Nehmen wir die Arsenform DMMTA über den Magen-Darm-Trakt auf, und wo geht sie hin? Das können wir aus den Zellstudien nicht wissen, denn eine Zelle hat keinen so komplexen Stoffwechsel. Der Stoffwechsel vom Schwein ist dem Menschen aber ähnlich und könnte in einer Fütterungsstudie eine Option bieten herauszufinden, ob Arsenverbindungen umgewandelt werden: Man könnte Reiswaffeln mit einem ganz bestimmten DMMTA-Gehalt verfüttern und alle Arsenspezies in Urin und Kot monitoren.





