Ein nüchterner Raum, mittendrin ein Tisch, darauf ein Monitor, Telefon und Blutdruckmessgerät, an der Wand eine Liege. Eine Gestalt tritt vor, weiße Hose, die Hand fährt aus zum Gruß: „Kommen Sie, setzen Sie sich! Was führt Sie zu mir? Wo tut es weh? Wie lange schon?“ So oder so ähnlich läuft sie heute ab, die erste Begegnung mit Ärztin oder Arzt – tagtäglich, tausendfach.
Vieles ist bereits in diesen ersten Augenblicken angelegt und wird zugleich gebahnt, auf beiden Seiten. Ist man sich sympathisch? Kann man sich einander verständlich machen? – Viel Zeit zum Nachdenken bleibt freilich nicht, denn der Kontakt Arzt–Patient hat eine klare Form: Befragung, Untersuchung, Behandlung. „Bitte machen Sie sich frei! Ich schau mir das mal an.“ Und: „Nehmen Sie das – und kommen bitte wieder. In einer Woche. Wenn’s schlimmer wird, auch schon früher. Dann sehen wir weiter.“
Diese Begegnung in der ärztlichen Praxis erscheint in ihrem Ablauf schematisch festgelegt und routiniert. Ein Blick in die Vergangenheit macht jedoch klar, dass das nicht immer galt. Schillernd vielgestaltig und an ganz unterschiedlichen Orten – beileibe nicht nur im Haus des Arztes – lief dieses Aufeinandertreffen früher ab. Was die diversen Praxisformen über die Jahrhunderte hinweg verbindet, ist das offensichtlich überzeitliche ärztliche Bedürfnis, Beobachtungen aus der Begegnung mit den Patienten festzuhalten: in Praxisjournalen und Medizinischen Tagebüchern einst, in Patientenkarteien und Datenbanken heute. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 05/2014.
Prof. Dr. Marion Maria Ruisinger/Prof. Dr. Thomas Schnalke




