Im Jahr 1640 feierte die Gesellschaft Jesu ihr 100-jähriges Bestehen mit einer prunkvollen Jubiläumspublikation. Beim renommierten Drucker Plantin erschien ein reichbebildertes Buch: „Imago Primi Saeculi“. Die üppige Festschrift der Antwerpener Jesuiten kam zu einem Zeitpunkt zustande, an dem die Ordensleute zu Recht stolz auf ihre Leistungen sein konnten. In rasantem Aufstieg hatte sich die Gesellschaft Jesu in den vorhergehenden Jahrzehnten als kulturelle und religiöse Macht in Europa und der ganzen Welt etabliert, nicht unkritisiert und nicht ohne Gegner, aber doch von überragendem Einfluss in vielerlei Gebieten. Auch quantitativ hatte der Orden ein beeindruckendes Wachstum gezeigt. Hatte es 1540 elf Jesuiten gegeben, so waren es im Jahr 1600 bereits 8519 und 1626 nicht weniger als 15 544. Das Maximum wurde 1749 erreicht, als es – immer nach eigener Zählung – 22 589 Jesuiten gab.
Bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts hinein waren die Jesuiten treibende Kräfte und führende Exponenten der damals vorherrschenden kulturellen Strömungen. Das prägende Lehr- und Wissenschaftsmodell der Zeit, eine Synthese aus Späthumanismus und Scholastik in christlicher Zielsetzung, war in seiner katholischen Prägung entscheidend von den Jesuiten entwickelt worden. 1599 verankerte der Orden diese Synthese in seinem Studienprogramm („Ratio Studiorum“), an dem sich die Ordensleute weltweit in allen intellektuellen und kulturellen Fragen orientieren sollten. Damit konnte die Gesellschaft Jesu jahrzehntelang zunächst neue Maßstäbe setzen. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 10/2014.
Prof. Dr. Markus Friedrich




