Von RAINER KURLEMANN
Menschen, die an der Küste wohnen, kennen die Wirkung des Wassers auf ihr regionales Wetter. Und für die meisten Klimazonen der Welt gilt: In Meeresnähe regnet es häufiger als in einer kontinentalen Klimazone. Doch der Einfluss der Ozeane reicht deutlich weiter.
Da Wasser Wärme viel besser bewahren kann, als es die Luft vermag, speichern die Ozeane Wärmeenergie. So entstehende Wärmekissen geben ihre Energie dann an anderer Stelle wieder frei. Beispielsweise sorgt der warme Golfstrom dafür, dass es in Teilen Südenglands im Winter deutlich wärmer ist als in vergleichbaren Regionen der Welt. Auch der Monsunregen in Indien entsteht unter dem Einfluss der Ozeane. Weht der Wind aus Südwest, sammelt er über dem Indischen Ozean die aufsteigende Verdunstungsfeuchtigkeit des Meeres in mächtigen Wolken. Auf dem indischen Subkontinent geben diese ihre Wasserfracht dann vor dem Himalaja als kräftigen Regen wieder ab.
Die Beispiele zeigen: Es kann nicht ohne Folgen bleiben, wenn sich an dem globalen Klimasystem etwas verändert –wenn der Ozean immer wärmer wird. Dass dies geschieht, gilt als wissenschaftlich gesichert. Der globale Ozean hat sich seit 1970 ungemindert erwärmt und mehr als 90 Prozent der zusätzlichen Wärme aufgenommen, die sich im Klimasystem Erde durch die wachsende Menge des Treibhausgases Kohlendioxid angestaut hat. Seit 1993 habe sich die Geschwindigkeit der Ozeanerwärmung mehr als verdoppelt, berichtet der Weltklimarat IPCC im Sonderbericht zum Zustand der Ozeane.
Weil die ebenfalls wärmer gewordene Atmosphäre gleichzeitig mehr Wasserdampf aufnehmen kann, gehen die Klimaforscher davon aus, dass Extremregenereignisse zunehmen: Wenn die globale Temperatur um zwei Grad ansteigt, werden mehr Wirbelstürme die Kategorie 4 oder 5 erreichen und damit besonders gefährlich. „Gefahren an der Küste werden durch eine Zunahme der durchschnittlichen Intensität, des Ausmaßes der Sturmflut und der Niederschlagsraten tropischer Wirbelstürme verschärft werden“, heißt es im Klimabericht.
Solche Auswirkungen zeigen sich etwa im Monsun in Indien. Es ist immer schwer, einzelne Wetterereignisse den Folgen des Klimawandels zuzuordnen, aber dieses Beispiel passt in den erwarteten Trend. In Nepal und Nordindien fielen 2019 während der Monsunregenfälle im heftigen Dauerregen mehr als 300 Liter Wasser pro Quadratmeter. Die Folgen waren Erdrutsche, unbewohnbare Landschaften durch Überflutungen und von den Wassermassen zerstörte Ernten. Auch in anderen Jahren fielen die Regenfälle deutlich heftiger aus als üblich. „Für jedes Grad Celsius Erwärmung der Atmosphäre werden die Monsunregenfälle wahrscheinlich um etwa fünf Prozent zunehmen“, sagt Anja Katzenberger vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Eine chaotischere Monsunzeit stelle eine direkte Bedrohung für Landwirtschaft und Wirtschaft in der Region dar, ergänzt sie.





