In der Nähe der Küsten steigt der Meeresspiegel schneller als im offenen Ozean. Das belegen Messungen des Satelliten Topex von 1993 bis 2002. Wie das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist berichtet, ist das merkwürdige Phänomen letztlich auf die globale Erwärmung zurückzuführen.
Schon 1996 hatten Forscher um Kirk Bryan von der Princeton University den Effekt vorhergesagt. Wenn sich das Wasser in einem Teil des Meeres erwärmt, dann dehnt es sich aus. Als Folge entstehen Wellen, die zur Küste wandern und anschließend am Rand der Ozeanbecken herumwandern ? und das mehrere Jahre lang. In der Badewanne kann man ähnliches beobachten: Wer einen Platscher in der Mitte der Wanne macht, erzeugt Wellen, die am Rand weiterlaufen.
In der Fachzeitschrift Geophysical Reseach Letters (Bd. 301, S. L07305) bestätigten Simon Holgate und Philip Woodworth vom Proudman Oceanographic Laboratory in Großbritannien den Effekt jetzt erstmals. Die beiden Forscher werteten die Topex-Daten zur Meereshöhe aus. Topex schickt Mikrowellen zur Erde, die von der Meeresoberfläche reflektiert werden. Aus der Laufzeit der Mikrowellen lässt sich dann die Meereshöhe bestimmen. Die Forscher ermittelten, dass der Meeresspiegel im globalen Durchschnitt um 2,8 Millimeter pro Jahr anstieg. In einem Umkreis von hundert Kilometern um die Küsten erhöhte sich der Wasserspiegel allerdings um 3,8 Millimeter pro Jahr.
Ob das schlechte Nachrichten für die Bewohner von flachen Küstengebieten sind, lässt sich bislang noch nicht sagen. Falls die Wellen von einem ungewöhnlichen Ereignis, zum Beispiel einem besonders warmem Jahr, erzeugt wurden, dann sollten sie in der nächsten Zeit wieder verschwinden. Falls aber die globale Erwärmung daran schuld ist, könnten Überschwemmungen noch schlimmer ausfallen als von Wissenschaftlern bislang vermutet.
Ute Kehse





