Nun ist die Sonne groß und die Erde klein, und daher fliegt das emittierte Sonnenplasma meistens nicht in unsere Richtung. Wenn das doch einmal der Fall ist, prasseln für einige Stunden oder Tage schnelle geladene Teilchen auf uns nieder. Die Partikel dieses sogenannten Sonnensturms brauchen, je nach Geschwindigkeit, etwa 12 bis 72 Stunden, bis sie die Erde erreichen. Sonnenstürme gehen aber auch mit elektromagnetischer Strahlung einher, die nur acht Minuten bis zu uns braucht. Wir wissen daher schon vorher, was uns erwartet, und einige Websites (zum Beispiel spaceweather.com) bieten Vorhersagen für das „Sonnenwetter“ an.
Die geladenen Teilchen von der Sonne werden im Magnetfeld der Erde umgeleitet und treffen hauptsächlich in den hohen Breitengraden nahe den Polen auf die Atmosphäre. Sie verstärken dort die Aurora. Bei einem intensiven Sonnensturm kann die Aurora bis in mittlere Breitengrade sichtbar sein. Während des „Halloween-Sturms“ im Oktober 2003 etwa war sie bis zum Mittelmeer und auch in Texas und Florida zu sehen.
Sonnenstürme werden nach ihrem Energieausstoß klassifiziert. Die kleinsten werden der A-Klasse zugeordnet, danach kommt B, C, M und schließlich X. Die Klassifizierung ist logarithmisch, sodass jeder Buchstabe eine Verzehnfachung der Energie des vorherigen bedeutet. Nach X fügt man nur noch Zahlen hinzu. X10 zum Beispiel bedeutet 10 Mal so viel Energie wie X.
Das Carrington-Ereignis
Zum stärksten je gemessenen Sonnensturm kam es im September 1859. Er ist als das „Carrington-Ereignis“ bekannt, benannt nach dem britischen Forscher Richard Carrington, der den Sturm damals beobachtete. Wie stark dieser Sturm genau war, wissen wir nicht, denn im 19. Jahrhundert wurden die Aufzeichnungen mit einem Tintenschreiber auf laufendem Papier gemacht. Und während des Sonnensturms schlug der Schreiber so weit aus, dass die Messung nicht mehr auf dem Papier festgehalten wurde. Fest steht jedoch, dass das Carrington-Ereignis ungewöhnlich stark war. Im Nachhinein wurde es als etwa X45 eingestuft.
Zu Carringtons Zeit gab es zwar schon elektrische Geräte, aber das Stromnetz war noch nicht großräumig ausgebaut. 1859 war daher das größte Problem, dass das Telegrafensystem weitgehend ausfiel. Einige Geräte fingen Feuer, und manche Menschen, die damit arbeiteten, erlitten einen Stromschlag. Heute würde ein solcher Sonnensturm sehr großen Schaden hervorrufen.
Der Teilchenhagel ist ein Problem für elektronische Geräte, denn das damit einhergehende Magnetfeld kann Ströme induzieren, für die die Geräte nicht ausgelegt sind. Das betrifft insbesondere Satelliten. Während des Halloween-Sturms schalteten sich etliche automatisch ab. Der japanische Satellit Madori 2 funktioniert seitdem nicht mehr. Auch auf der Erde werden elektronische Geräte beeinträchtigt. Am 23. Mai 1967 etwa legte ein Sonnensturm Radarstationen der Amerikaner lahm. Das US-Militär vermutete erst einen Angriff der Sowjets. Zum Glück konnten Wissenschaftler das Militär damals überzeugen, dass das Problem eine natürliche Ursache hatte.





