Der Leser lernt Vorstellungen vom Weltganzen als einem geordneten Kosmos kennen sowie Denkweisen, die im Menschen den Spiegel dieses wohlstrukturierten Ganzen sahen. Auch den Jahreszeiten, den Tierkreiszeichen und den Lebensaltern wurde in diesem Rahmen ihr fester Platz zugewiesen. Deutlich wird, wie hilfreich der Übergang vom komplexen Bild zur einfachen, kreisförmigen Darstellung mit Asien, Afrika, Europa und, im Mittelpunkt, Jerusalem war; denn es war möglich, eine solche „Karte“ neuen Erkenntnissen anzupassen und Einzelheiten in sie einzutragen.
Hervorgehoben seien abgewogene Urteile (so etwa der „Anti-Intellektualismus einiger früher Christen“) und der Verzicht auf gewagte Spekulationen, etwa zur Ebstorfer Weltkarte. Hypothesen regen zu weiteren Studien an, so die, daß es zwischen den Ländern nördlich und südlich des Mittelmeers einen „regeren wissenschaftlichen Austausch“ gegeben haben dürfte als bislang angenommen. Vorsichtig wird auf Gemeinsamkeiten zwischen einer arabischen Karte aus dem 10. Jahrhundert und dem 1931 entworfenen Plan der Londoner U-Bahn verwiesen. Eine Augenweide bilden die vorzüglich wiedergegebenen Abbildungen, von denen viele wohl erstmals in einem deutschsprachigen Werk erscheinen; ergänzende Schwarz-Weiß-Zeichnungen verdeutlichen einzelne Bildaussagen. In einer Neuauflage sollten allerdings Satzfehler korrigiert werden; wünschenswert wären auch ausführlichere Erläuterungen zu Abbildungen, die eine fremde Welt spiegeln. Hinzuweisen wäre außerdem auf den Quellenwert isländischer Sagas für die Navigation. Schließlich wäre eine ausführliche, gut begründete Darstellung des Übergangs zu modernen Karten geboten gewesen.
Rezension: Ohler, Norbert




