Ein Beispiel für innerchristliche Rivalitäten sind die Templer, zu jener Zeit der mächtigste Ritterorden, der das Heilige Land für die Christen zurückerobern und Jerusalem-Pilger schützen sollte. Seit dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts weckten ertragreiche Besitzungen und Rechte, welche dem Orden seit Generationen zur Finanzierung seiner vielfältigen Aktivitäten übertragen worden waren, die Begehrlichkeit europäischer Herrscher. König Philipp der Schöne von Frankreich ließ 1307 in einer Blitzaktion alle Templer in seinem Machtbereich festnehmen und ihnen den Prozeß machen wegen Habgier, Hochmuts, unzulänglichen karitativen Engagements, Häresie, Hexerei und Zauberei, Homosexualität und perverser Aufnahmeriten. Ihr Großmeister, Jacques de Molay, sah sich in ein Gespinst von Intrigen verstrickt, dem er sich nicht zu entziehen wußte. Auch ihn hat man wahrscheinlich gefoltert; er gestand, widerrief und wurde 1314 auf den Scheiterhaufen gestellt.
Demurger analysiert die vielschichtigen Rivalitäten, in denen sich die Templer zu behaupten hatten. Obwohl ihm zu dem unwürdigen Verfahren fast nur Quellen aus der Feder der Ankläger zur Verfügung standen, gelingt ihm ein abgewogenes Urteil. Trotz einiger Unebenheiten der Übersetzung liest sich das Buch gut, streckenweise spannend.
Rezension: Ohler, Norbert




