Daß Heinz Rühmann einmal zum beliebtesten Schauspieler Deutschlands avancieren würde, war ihm nicht von vornherein in die Wiege gelegt worden, denn der Junge, am 7. März 1902 in Essen geboren, entstammte keineswegs einer Schauspielerfamilie. Sein Vater war Gastwirt, mit hochfliegenden Plänen und übergroßem Mut zum Risiko. Ein steiler Aufstieg, an dessen Gipfelpunkt Heinrich Fritz Hermann Rühmann das renommierte Hotel “Handelshof” in Essen führte, und ein jäher Fall, der den wirtschaftlichen Ruin mit sich brachte, bezeichneten den Lebensweg des Vaters und damit auch Heinz Rühmanns frühesten Kindheitserlebnisse.
In seinen Memoiren “Das war’s” hat der Sohn seinen Vater nicht oft erwähnt, denn um vieles bedeutsamer für seine Schauspielkarriere war die Mutter Margarethe, die nicht nur nach der Trennung von ihrem Ehemann 1916 und einem Umzug nach München Heinz und seine beiden Geschwister Ilse und Hermann ganz allein durchbringen mußte, sondern die ihren Sohn auch stets in seinen Ambitionen unterstützte. “Sie hat mir nie verboten, zum Theater zu gehen, oder versucht, dagegen zu reden. Ich glaube, sie hat es irgendwie sogar ganz gern gesehen,” schrieb der dankbare Sohn später.
Den Sinn fürs Komödiantische soll er schon früh entwickelt haben, und dieser war es auch, der Rühmann nach einer Ausbildung beim Hofschauspieler Friedrich Basil in München seine ersten Erfolge beim Theater verschaffte. Noch bevor Rühmann volljährig war, erhielt er 1920 sein erstes festes Engagement – in Breslau. Nach kurzzeitigen Engagements in Hannover, Bremen, Braunschweig und der Bayerischen Landesbühne, wo er bereits durch sein komisches Talent auffiel, bekam er 1923 endlich die große Chance: Er durfte am Münchner Schauspielhaus spielen, das von der legendären Hermine Körner, “einer wahrhaft königlichen Erscheinung”, geleitet wurde. Allerdings konnte er nicht, wie er es erträumt hatte, als jugendlicher Liebhaber brillieren – seine Statur war mit 1,65 Meter einfach nicht dementsprechend – sondern als Naturbursche und Bonvivant. Doch der begabte junge Mann fiel Kritikern und Publikum in Stücken wie dem “Schneider Wibbel” von Müller-Schlösser oder in Slings “Erwachsenen” bereits auf. “Rühmann ist der heiterste, beweglichste, treuherzigste junge Komiker, der es, wie man sagt, faustdick hinter den Ohren hat. Niemals läppisch, sprudelnd von Laune, wahrhaft, fröhlich und innerlich frei erscheinend, eine zukunftsreiche Begabung,” schwärmte der Kritiker Tim Klein. Und diese Charakterisierung sagte schon vieles aus über das, was die Deutschen in den unruhigen 20er Jahren sehen wollten: einen unbeschwerten, liebenswürdigen Komiker, der gleichwohl Charakterstärke zeigt. Rühmanns Spiel, das so natürlich wirkte, war dabei das Ergebnis höchster Präzision, die Situationskomik seine Spezialität. Die Markenzeichen seiner späteren Erfolge hat er in dieser Zeit entwickelt: die monotone Stimme, die fast beiläufig die witzigsten Pointen bringt, die schlaksigen, leichten Bewegungen. Im Privatleben entsprach Rühmann übrigens durchaus nicht seinen Rollen – er, ein Schauspieler ohne Starallüren, war eher schüchtern und ging, ein Liebhaber der Stille, großem Rummel zeitlebens gern aus dem Weg. Auch die Heirat mit seiner ersten Frau Maria Bernheim, oder Herbot, wie ihr Künstlername war, fand nur im engsten Kreis statt.




