Das Bild, das er bot, war ungewöhnlich und gewöhnlich zugleich: Den Knechtharnisch angelegt, ein federgeschmücktes Barett auf dem Kopf, den Degen in der Faust, dann wieder einen Spieß in den Händen, vorneweg stürmend, die Seinen mitreißend, verschwitzt, stinkend, ermüdet, triumphierend, geschlagen – und das sollte ein Kaiser sein? Zugegeben: Als Kaiser war er seltener so anzutreffen, als in früheren Jahren, als er nur Erzherzog und dann König war. Vielleicht auch, weil er es müde geworden war, immer vorneweg den Raufbold zu mimen, blieb er zurück, kümmerte sich um die “Arkelei”, ließ feuern und war es schließlich zufrieden, daß sein Weg durch die Zeiten mit immer wiederkehrenden Zeichen seiner persönlichen Tapferkeit im “Weißkunig” und im “Theuerdanck” verewigt wurden. Da ließen sich auch Anspruch und Ergebnis miteinander vergleichen.
Da war zum einen der zwölfjährige Erbfolgekrieg, den Maximilian auszukämpfen hatte, um das Erbe seiner Frau Maria, Burgund, antreten zu können. Die Schlachtfelder Burgunds und Flanderns formten ihn. Sie lehrten ihn auch, daß man zum Kriegführen – wie es sein Zeitgenosse Trivulzio ausdrückte – Geld, Geld und nochmals Geld brauchte. Denn für Geld bekam man Soldaten. Und die brauchte er. Also versuchte Maximilian ein “Geschäft” mit den Reichsständen. Aber dazu mußte auch er etwas anbieten.
Am Reichstag von Nürnberg, 1491, fand sich der König unter dem Eindruck drohender Kriegsgefahren in Frankreich und Ungarn zu einigen der von den Ständen geforderten Reformen bereit. Er nahm den Gedanken einer Kreiseinteilung auf. Im Reich sollten sechs Friedenskreise errichtet werden, in denen je zwei Hauptleute für Ruhe und Ordnung sorgen sollten. Zur Reichsverteidigung aber schlug er eine Art stehendes Heer vor, wobei jeweils 49 Einwohner den 50. ausrüsten sollten. Der Vorschlag wurde von den Ständen abgelehnt. Doch das war erst der Anfang eines jahrzehntelangen Ringens zwischen Kaiser und Reich.
Kaum hatte Maximilian die Lage in Burgund unter Kontrolle gebracht und die Rückeroberung der österreichischen. Erblande nach der kurzen Herrschaft des Matthias Corvinus erledigt, setzte mit dem Vorstoß des französischen Königs Karl VIII. nach Neapel 1494/95 der Kampf um Italien ein. Der Habsburger erkannte, daß der Besitz der Halbinsel für die Stellung des römisch-deutschen Kaisertums und für die Vorherrschaft über Europa von entscheidender Bedeutung war. Also unternahm er einen Italienzug. Der drohte mehr als einmal zum Debakel zu werden. Wieder versuchte es Maximilian mit einem Reichstag.
Karl VIII. war in Rom eingezogen und hatte das Königreich Neapel erobert. Bei der Eröffnung des Reichstags in Worms forderte Maximilian daher “eilende” Hilfe zur Verteidigung des Reiches. Die Reichsstände aber obstruierten. Auch ein Feldzug gegen die Osmanen wurde verschoben. 1499/1500 eroberten die Franzosen Mailand. Maximilian konnte es nicht hindern. Er versuchte nach wie vor, die Interessen des Reichs mit seinen eigenen in Einklang zu bringen.




