Am 7. September des Jahres 1228 dümpelten vor der Seemauer Akkons (Galiläa) ungefähr 40 Galeeren in der Dünung des Mittelmeers. Begleitet von zahlreichen Pferdetransportern und anderen Lastschiffen, glich die Szene der Landeoperation einer Invasion. Insgesamt, so nimmt man an, könnten es 60 bis 100 Schiffe gewesen sein. Auf einer der Galeeren stand Kaiser Friedrich II. Lange war er auf See gewesen, denn seine Reise hatte am 28. Juni 1228 im süditalienischen Brindisi begonnen. Man hatte einen Kurs über Korfu, Kreta und Rhodos nach Zypern gesteuert, wo ein längerer Aufenthalt eingelegt worden war. Man segelte meist die Küsten entlang und vermied aus nautischen Gründen lange Fahrten über die hohe See. Immer wieder mussten die unterschiedlich schnellen Schiffe an bestimmten Punkten gesammelt werden. Anfang September erreichte die Flotte dann Akkon, das Ziel der Überfahrt; von hier nahm ein Kreuzzug seinen Ausgang, den der Kaiser selbst anführte. Um mit seinem Heer dorthin zu gelangen, hatte er seine eigene Flotte genutzt.
Wer ein Reich wie das Königreich Sizilien beherrschen und schützen wollte, dessen Territorien aus einer großen Insel und einem Festlandbereich bestanden, der auch überwiegend vom Meer umgeben ist, bedurfte einer Flotte. Doch nicht nur die gewaltige Küstenlänge des Regnum Siciliae, sondern auch seine Einbindung in den Wirtschaftsraum des südlichen Mittelmeers erforderte maritime Kapazitäten. Das Mittelmeer war das vitale Zentrum des antiken und des mittelalterlichen Europa. Für die Anrainer handelte es sich um ein Binnenmeer, das vielfältige Kontaktmöglichkeiten bot. Aus normannischer Tradition und in Konkurrenz zu den Mächten, die in diesen Gewässern ohnehin seit langem über die effizientesten und größten Flotten verfügten, wie Byzanz, Genua, Pisa und Venedig, ließen schon die Vorgänger Friedrichs II. im 12. Jahrhundert beachtliche Mittel in den Aufbau und Unterhalt einer eigenen sizilischen Flotte investieren. Allerdings war diese in den Wirren während Friedrichs Kindheit kurz nach 1200 (siehe DAMALS 10-2010) stark vernach-lässigt worden. Als Friedrich 1220 nach einem langen Aufenthalt in Deutschland in den südlichen Reichsteil zurückkehrte, bedurfte es eines erheblichen Aufwands, um die Flotte wieder zu jenem Ruhm zu erheben, den sie in den Zeiten der Normannenkönige besessen hatte.
Friedrich II. ließ mit seiner Flotte eine respektable Seeschlacht schlagen und fuhr über 20 Mal selbst zur See. Meist waren es kürzere Passagen entlang der italienischen Küste; längere Seereisen führten ihn außer ins Heilige Land 1212 von Palermo nach Rom oder 1235 von Rimini nach Aquileia, von wo er dann den Landweg nach Norden nahm. Er gab Befehl zu mehreren spektakulären Flottenexpeditionen, etwa jener des Jahres 1221, als der kaiserliche Admiral Heinrich Piscator, Graf von Malta, auf dem Weg nach Damietta in Ägypten mit seinen Schiffen den Nil hinaufruderte. Zwei Jahre später steuerte die sizilische Flotte die Insel Djerba vor der Küste Tunesiens an, wo man maritime Macht zeigen und nebenbei Einwohner als Hand‧‧werker entführen wollte.




