In seiner Dissertation „Der jüdische Mai ’68“ befasst sich Sebastian Voigt mit der Frage, welche Rolle die jüdische Herkunft dieser drei Aktivisten für die Protestbewegung – und für sie selbst – spielte. So fand sich Daniel Cohn-Bendit, dem als einem Wortführer der Protestierenden die Wiedereinreise nach Frankreich verweigert und der als „unfranzösisch“ beschimpft worden war, umfangen von einer Welle der Solidarität. Die Studenten unterstützten ihn mit dem Schlachtruf: „Wir sind alle deutsche Juden“. Zwar war Cohn-Bendit in der Tat Sohn deutscher Juden, die 1933 vor den Nazis nach Frankreich geflohen waren, doch hatte das für ihn zuvor keine große Rolle gespielt.
Voigt analysiert differenziert Biographie und Selbstverständnis der drei Protagonisten, aber auch das gesellschaftliche Klima in Frankreich, das bis dahin parteiübergreifend durch eine Verleugnung der Vichy-Kollaboration mit den Nationalsozialisten geprägt gewesen war – und es später auch wieder lange blieb.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





