Klar scheint: Die verschiedenen Hautfarben von Menschen unterschiedlicher Regionen sind keine Laune der Natur, sondern haben einen physiologischen Sinn. Eine dunkle Pigmentierung schützt die Haut vor der ultravioletten Strahlung der Sonne. Im Gegensatz dazu kann eine hellere Haut bei Menschen in nördlichen Regionen die Produktion einer gesundheitlich wichtigen Substanz in der Haut erhöhen: Vitamin D. Bisher haben sich Untersuchungen der Hintergründe von Hautpigmentierung auch eher mit europäisch-stämmigen Bevölkerungsgruppen beschäftigt. Die aktuelle Studie hat nun einen breiteren Blick auf die genetischen Hintergründe von Hautfarben ermöglicht.
Hauttöne in Kombination mit genetischen Daten
“Bei der Hautfarbe von Menschen aus Afrika denkt man eher an einen dunklen Ton, aber tatsächlich gibt es auch hier eine große Variationsbreite – von Haut so hell wie die einiger Asiaten bis hin zu der dunkelsten Haut von allen”, sagt Sarah Tishkoff von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Um die Bandbreite der Hautpigmentierungen in Afrika objektiv zu erfassen, untersuchten Tishkoff und ihre Kollegen mit einem Messgerät
die Lichtreflexion der Haut von mehr als 2000 Afrikanern aus ethnisch diversen Populationen. Die dunkelste Haut stellten sie bei Hirtenpopulationen in Ostafrika fest und die hellste bei Jäger-Sammler-Völkern im südlichen Afrika. Diese Ergebnisse verbanden sie anschließend mit genetischen Informationen der jeweiligen Bevölkerungen und weltweiten genomischen Datensätzen. So stießen sie auf Schlüsselbereiche im Erbgut, die mit Variationen der Hautfarben verknüpft sind.
Wie sie berichten, identifizierten sie eine auffällige genetische Region um das Gen SLC24A5. Von einer Variante dieser Erbanlage ist bereits bekannt, dass sie eine Rolle für die Ausbildung von hellen Hautfarben in europäischen und asiatischen Populationen spielt. Diese Variante fanden die Forscher interessanterweise bei Populationen in Äthiopien und Tansania. Vermutlich wurde sie von Menschen aus Südostasien und dem Nahen Osten in diese afrikanische Region gebracht, sagen die Wissenschaftler.
Einen weiteren interessanten genetischen Bereich stellten die Forscher um das Gen MFSD12 fest. Diese Erbanlage ist bei Menschen schwach aktiv, die unter der Erkrankung Vitiligo leiden, bei der die Haut in manchen Bereichen ihre Pigmentierung verliert. “Als die Verbindung mit Vitiligo klar wurde, wussten wir, dass wir etwas Neues und Aufregendes gefunden haben”, sagt Co-Autor Nicholas Crawford. Das Team fand heraus, dass Mutationen in und um dieses Gen mit dunkler Pigmentierung assoziiert sind. Sie identifizierten diese Varianten auch bei indischen und australisch-melanesischen Bevölkerungsgruppen, die tendenziell die dunkelsten Hautfarben außerhalb Afrikas aufweisen. “Unsere Daten stimmen damit mit Annahmen zur frühen Migration des modernen Menschen an die Südküste Asiens und nach Australo-Melanesien überein”, sagt Crawford.





