Im ersten Teil des Buches zeichnet Schiener den Lebensweg Hausers von seiner Ankunft in Nürnberg im Mai 1828 bis zu seinem Tod in Ansbach im Dezember 1833 nach. Sie lässt dabei ausgiebig die Personen zu Wort kommen, die sich des Findelkindes annahmen, mit teilweise sehr kruden Methoden seine Entwicklung zu fördern versuchten und mit ihren Berichten über seine staunenswerten Eigenschaften dazu beitrugen, dass es binnen kurzem zu einer europäischen Berühmtheit wurde.
Der zweite Teil ist den Deutungsversuchen der Zeitgenossen und der nachgeborenen Generationen gewidmet, die sich in großer Zahl der Theorie anschlossen, Hauser sei der 1812 geborene badische Erbprinz gewesen, den man gegen einen sterbenden Säugling vertauscht habe, um der Hochberg’schen Nebenlinie den Großherzogsthron zu sichern. Schiener zeigt Entstehung und Entwicklung dieser Prinzenlegende von ihren Anfängen bis zur Gegenwart auf und folgt der in der Forschung weithin akzeptierten Meinung, dass sie sich quellenmäßig nicht ausreichend belegen lässt. Die jüngsten, von einem breiten Presse-Echo (1996 im „Spiegel“ und 2002 in Arte und ZDF) begleiteten Versuche, die Identität Hausers mit dem Mittel der Gen-Analyse zu klären, behandelt Schiener im Epilog ihres Buches, ohne sich einem der einander widersprechenden Untersuchungsergebnisse anzuschließen.
Rezension: Prof. Dr. Frank Engehausen




