Zu Beginn ihrer Forschungen waren Jörn Geßner und seine Kollegen vom Oder-Projekt davon ausgegangen, dass in Nord- und Ostsee und deren Zuflüssen einst dieselbe Stör-Art gelebt hat: der Gemeine oder Europäische Stör (Acipenser sturio). Dessen letzte Vertreter leben heute in der französischen Gironde, wo sie vom Aussterben bedroht sind. Doch durch genetische Untersuchungen fanden Wissenschaftler um Arne Ludwig vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung heraus: Die in der Ostsee und ihren Zuflüssen heimischen Störe sind keine Euro-Störe, sondern Nachfahren des vor 1200 Jahren aus dem Atlantik eingewanderten Amerikanischen Atlantischen Störs (Acipenser oxyrinchus). Diese Art lebt noch heute in kanadischen Flüssen. Damit hatten die Forscher auf der anderen Seite des Atlantiks das geeignete Besatzmaterial gefunden. „Mit dem Ergebnis hatten wir die einmalige Gelegenheit, die Methode der Wiederansiedlung mit dem kanadischen Nachwuchs auszuprobieren, ohne zunächst auf Tiere der stärker gefährdeten Art aus Frankreich zurückgreifen zu müssen”, sagt Jörn Geßner. Vor zwei Jahren wurden 30 Elterntiere nach Deutschland eingeflogen. Sie werden jetzt auf der Ostsee-Halbinsel Darß gehalten, um Nachwuchs zu produzieren.





