Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk.“ Mit diesen Worten am offenen Grab würdigte Friedrich Engels am 17. März 1883 seinen Freund Karl Marx, der drei Tage zuvor in seinem Lehnstuhl gestorben war. Lediglich elf Trauergäste lauschten auf dem Londoner Friedhof Highgate der Ansprache, deren weit ausholender Anspruch zu diesem Zeitpunkt mehr als gewagt erscheinen musste.
Ein Jahrhundert später schien Engels’ Prophezeiung Wirklichkeit geworden zu sein. In der Blockkonfrontation des Kalten Krieges bildeten Marx’ Schriften die Basis für die ideologischen Rechtfertigungen des sowjetischen Imperiums. Sein abseits gelegenes Grab, lange Zeit schlecht gepflegt, krönte längst ein großer Marmorblock, sein Gesicht mit dem markanten Bart und dem wilden Haar prangte auf überlebensgroßen Bannern, sein Werk inspirierte Gesellschaftsanalytiker und selbsternannte Revolutionäre in der ganzen Welt.
Einer unvoreingenommenen Beschäftigung mit dem Universalgelehrten Karl Marx hat seine ideologische Vereinnahmung durch Lenin, Mao und die kommunistischen Parteien allerdings eher geschadet. Ob in „Ost“ oder „West“ – jede Auseinandersetzung mit seinem Denken geriet unter einen aktuellen politischen Bezug, der einen gelassenen Blick auf die histo‧rische Persönlichkeit verstellte. Das Ende des Kalten Krieges galt vielen daher nicht nur als Niederlage der Sowjetunion, sondern auch als eine Bankrotterklärung seines Denkens. Karl Marx – bereits nach wenigen Jahrzehnten des weltweiten Einflusses endgültig gescheitert?
125 Jahre nach seinem Tod sieht die Bilanz ganz so negativ nicht aus. Das Ende des „real existierenden Sozialismus“ hat Marx von den Fesseln der Dogmatisierung befreit. Nach einem Jahrzehnt, in dem sich in erster Linie Fachleute mit Marx befassten, taucht sein Name inzwischen wieder häufiger in öffentlichen Debatten auf. Insbesondere die Erfahrung der Globalisierung lenkt den Blick zurück in das 19. Jahrhundert, als die weltweiten internationalen Vernetzungen von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur ihren Ausgang nahmen. Karl Marx widmete sich nicht nur in seinem Denken diesem neuartigen Phänomen. Auch seine Biographie war unmittelbar durch die Umwälzungen seiner Epoche geprägt und macht ihn heute wieder interessant.
Von seiner akademischen Ausbildung her ist Marx als Philosoph zu bezeichnen. Nach nur wenigen Semestern des Jura-Studiums in Bonn belegte der 1818 als Sohn eines Rechtsanwalts jüdischer Herkunft in Trier geborene Marx 1836 bis 1841 Philosophie in Berlin. Er beendete sein Studium 1841 mit einer in Jena eingereichten Doktorarbeit.
Von der Universität wechselte er in den Journalismus. 1842 trat er in die Redaktion der liberalen „Rheinischen Zeitung“ in Köln ein, deren Leitung er bald übernahm. Schnell machte er sich mit Reportagen über Holzdiebe und Moselwinzer einen Namen als kritischer Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse. Längst misstrauisch beäugt von den preußischen Zensurbehörden, wurde die Zeitung – die „Hure am Rhein“, wie sie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. bezeichnete – schon 1843 verboten.





