Wie bei so vielen Persönlichkeiten seiner Zeit weiß man relativ wenig über die frühe Biographie von Gallus. So ist nicht sicher, ob er irischer, fränkischer, galloromanischer oder alamannischer Herkunft war und ob er überhaupt mit Columban dem Jüngeren auf den Kontinent reiste. Auch gibt es Streit darüber, ob der Columban-Schüler Gallus mit dem Einsiedler vom Bodensee identisch ist. Sicher ist jedenfalls laut dem Historiker Arno Borst, dass Gallus „die europäische Idee des kolumbanischen Mönchtums in die alemannische Wirklichkeit übersetzt“ hat.
Vieles, was wir über Gallus’ Wirken im Bodenseegebiet wissen, ist in der Biographie „Vita Galli“ überliefert, von der es drei Fassungen gibt. Die erste ist eine um 680 verfasste bruchstückhafte Lebensgeschichte, die 715/725 und nach 771 von zwei weiteren unbekannten Autoren erweitert worden ist. Der Philologe Walter Berschin bezeichnete diesen Text als „eines der besten Literaturwerke der Merowingerzeit“. Um 820 wurde dieser Text vom Reichenauer Schulmeister Wetti zur zweiten Fassung umgearbeitet. Wettis Schüler, der berühmte Dichter Walahfrid Strabo, legte schließlich 833/34 eine weitere Fassung vor. Inhaltlich bieten die beiden jüngeren Gallus-Viten kaum Neues, sie beschränken sich auf Stilisierungen. Um 885 schrieb Notker der Stammler zu Walahfrids Version eine weitere Variante. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 08/2013.
Prof. Dr. Lutz E. von Padberg




