Sirimavo Ratwatte wurde am 17. April 1916 geboren. Ihre Familie gehörte zum singhalesischen Hochadel, hatte unter den Königen wichtige Hofämter eingenommen und besaß im Hochland der Insel große Ländereien. Sirimavo wurde wie viele Töchter der alten Oberschicht an englischsprachigen Privatschulen erzogen und heiratete 1940 standesgemäß Solomon West Ridgeway Dias Bandaranaike, ein führendes Mitglied der singhalesischen Nationalbewegung. Die Aufgaben waren in der Ehe zunächst klar verteilt: Solomon machte politische Karriere, Sirimavo kümmerte sich um die Kinder Sunethra, Chandrika (die spätere Präsidentin) und Anura.
Solomons Aufstieg war eng mit der Einführung eines neuen Wahlrechts verknüpft: 1930 hatten die Briten Ceylon als einziger ihrer Kolonien das allgemeine Erwachsenenwahlrecht zugestanden. Dies veränderte die Spielregeln für die im Ceylon National Congress (CNC) versammelten Honoratioren grundlegend. Hatten sie zuvor ihre Kandi‧daten für den Legislativrat im Hinterzimmer aushandeln können, waren sie nun gezwungen, sich eine Massenbasis zu suchen und nötigenfalls auch gegeneinander zu kandidieren. Solomon verstand es, das neue Instrument zu seinen Gunsten zu nutzen. Die Mehrheit der Bevölkerung bestand aus singhalesischsprachigen Buddhisten, und Solomon vertraute darauf, dass sich ein Appell an diese Identität in Wählerstimmen niederschlagen würde. Um seiner Volksnähe zusätzlichen Nachdruck zu verleihen, legte er Anzug und Krawatte ab und trat öffentlich zum Buddhismus über. Die Rechnung ging auf. Solomon fand – nicht zuletzt wegen seiner schon in den 1930er Jahren vorhandenen militanten und chauvinistischen Rhetorik – großen Anklang. Dass dadurch die Minderheiten des Landes – Tamilen, Muslime und Christen – in die Ecke gedrängt würden, nahm er billigend in Kauf.
Bald nach der Unabhängigkeit Ceylons am 4. Februar 1948 brach Solomon mit dem CNC, der sich für den Neuanfang in United National Party (UNP) umbenannt hatte. Dahinter standen Eitelkeiten: Solomon fühlte sich übergangen, als die Führung der UNP 1951 auf John Kotelawala überging, den Schwiegersohn des ersten Premierministers Dudley S. Senanayake. Solomon verließ die UNP und gründete die Sri Lanka Freedom Party (SLFP). Mit dieser Partei scheiterte er jedoch bei den nachfolgenden Parlamentswahlen gründlich; außer ihm gelang nur acht weiteren Abgeordneten der Sprung ins Parlament.
Damit sich eine solche Schlappe nicht wiederholte, schaltete Solomon seinen Populismus im nächsten Wahlkampf noch einen Gang höher und stellte die Kampagne unter den ebenso simplen wie zugkräftigen Slogan „Sinhala only!“. Damit drückte er aus, das Singhalesische zur alleinigen Staats- und Verwaltungssprache machen zu wollen. Der Wahlkampf fand ohnehin in einer aufgeheizten Atmosphäre statt: 1956 markierte die Halbzeit zwischen dem Tod des historischen Buddha Gautama und dem Erscheinen des zukünftigen Buddha Maitreya. Der Anlass wurde von Buddhisten in aller Welt gefeiert, in Ceylon wurde immer wieder die Forderung laut, den Buddhismus zur Staatsreligion zu machen. Daran knüpfte Bandaranaikes Slogan zur Sprachpolitik geschickt an. Zugleich war er aber auch eine Kampfansage an die westlich geprägte, englischsprachige Führungsschicht der UNP, namentlich des Premiers Kotelawala, sowie ein Affront gegen die tamilische Oberschicht, deren Muttersprache immer gleichrangig neben dem Singhalesischen gestanden hatte. Der Appell an die singhalesisch-buddhistische Mehrheit der (Wahl-)Bevölkerung zeigte die erhoffte Wirkung – die SLFP erreichte die absolute Mehrheit der Mandate.




