Ins Rampenlicht der Geschich-te trat Georg Truchsess zu Waldburg 1508, als er, im Dienst des württembergischen Herzogs Ulrich stehend, diesem half, den Bauernaufstand des „Armen Konrad“ niederzuschlagen. Später focht er auf der Seite Bayerns, dann vornehmlich für den Schwäbischen Bund, den Zusammenschluss der schwäbischen Reichsstände. Zum „Bauernjörg“ wurde er 1525 durch sein erbarmungsloses Vorgehen gegen die aufbegehrenden Bauern. Das Bild der Nachwelt von ihm changierte zwischen Bauernschlächter und Reichsretter.
Blickle präsentiert eine gelungene Mischung von biographischer, ereignisbezogener und sozialgeschichtlicher Darstellung und holt dazu weit aus: Intensiv hat er im Fürstlich Waldburg-Wolfegg’schen Archiv recherchiert und schildert quellennah und anschaulich die rechtliche und soziale Lage der Leibeigenen in Oberschwaben ebenso wie die Karriereschritte des „Bauernjörg“, die wesentlichen Konfliktlinien, die zum Bauernkrieg führten, und die dramatischen Ereignisse in Oberschwaben, schließlich die Selbstdeutungen seines Prot‧ago‧nisten auf der Grundlage von Selbstzeugnissen sowie dessen Rezeption durch die Nachwelt.
Insbesondere Blickles Überlegungen zum Charakter des Krieges und zu den teils widerstreitenden Rechtsauffassungen im 16. Jahrhundert lassen ihn zu dem Schluss kommen, dass die ihr Recht einfordernden Bauern ungerechtfertigt kriminalisiert wurden. Die berühmte „Bluttat von Weinsberg“ am 16. April 1525 etwa (die Hinrichtung des Grafen Ludwig von Helfenstein und etwa eines Dutzends seiner Begleiter durch die Bauern), deren Schilderung allein die Sieger bestimmten, nimmt bei ihm Züge einer rechtmäßig begründbaren Aktion der Bauern an. Blickle gelingt so das Kunststück, dem angeblich altbekannten Thema Bauernkrieg überraschende und ganz neue Facetten abzugewinnen.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger




