Das Haus Osman, das im 13. Jahrhundert greifbar wird, gehörte zu der großen Gruppe nomadisierender Turkvölker, die seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. in mehreren Wanderungsbewegungen von ihrem Kernland im Altai-Gebirge (in der heutigen Mongolei) in angrenzende Imperien eingebrochen waren. Im Nahen und Mittleren Osten hatten ihnen die großen Reiche zwar lange erfolgreich widerstanden, im 10. und 11. Jahrhundert ermöglichte die Schwäche des Abbasiden-Kalifats in Bagdad (siehe DAMALS 3-2002) dann aber den Aufstieg der Herrscherfamilie der Seldschuken. Die Seldschuken, die über Iran nach Mesopotamien vordrangen, nachdem sie zum sunnitischen Islam übergetreten waren, übernahmen die Herrschaft im Reich des Kalifen. Als sie begannen, sich nicht nur auf nomadisierende Kommandeure zu stützen, sondern eine reguläre Armee aufzubauen, gerieten sie in Konflikt mit ihren bisherigen Vasallen: Beute, so die Forderung der Seldschukenherrscher, sollte künftig jenseits ihres Herrschaftsgebiets gemacht werden.
So begannen Mitte des 11. Jahrhunderts turkmenische Überfälle auf das byzantinische Anatolien. Nach anfänglichem Zögern schlossen sich die Seldschuken diesen Unternehmungen an, und 1071 fand eine der folgenreichsten Schlachten der Weltgeschichte in Manzikert, nördlich des Van-Sees, statt: Der byzantinische Kaiser wurde vernichtend geschlagen, Anatolien geriet schrittweise unter die türkische Herrschaft.
Diese Entwicklung vollzog sich nicht ohne Brüche. Als Ende des 11. Jahrhunderts die seldschukische Herrschaft in Bagdad zusammenbrach, war der Weg frei für die von Nordosten vordringenden Mongolen; 1242 eroberten sie Anatolien, 1258 verwüstete ihr Fürst Hulagu Bagdad. Seine Nachfolger, die Ilkhane, beherrschten bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts Iran, Irak und Anatolien.
Wie die turkmenischen Herrschaften litt auch das mongolische Reich unter dem Problem, daß die alte nomadische Herrschaftsstruktur nicht an die neuen Bedingungen eines Großreichs angepaßt war. Als es unvermutet zusammenbrach, existierten in Anatolien im 13. Jahrhundert eine Reihe mehr oder minder unabhängiger turkmenischer Kleinfürstentümer, in denen unterschiedliche christliche wie islamische Religionsgemeinschaften lebten und für die ein Gegensatz zwischen Ackerbauern und Nomaden kennzeichnend war. Eines von ihnen war dasjenige, das Osman und seine Nachfolger in Bithynien errichteten.
Die Gründer der osmanischen Dynastie waren also Kommandeure turkmenischer Stämme, die sich durch Überfälle auf das Land der benachbarten Ungläubigen alimentierten. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts unternahmen sie erfolgreiche Vorstöße über die Dardanellen hinaus nach Südosteuropa – Unternehmungen, die ihnen Bündnisse mit byzantinischen Herrschern (oder deren Rivalen) bzw. mit Genua (gegen Venedig) sehr erleichterten.




