Perihel ist das, was man in der Astronomie zum sonnennächsten Punkt der Erdbahn sagt. Am 4. Januar 2022 wird die Erde also der Sonne so nahe sein wie im Verlauf des ganzen Jahres nicht mehr. Das klingt seltsam – immerhin ist dann ja tiefster Winter, und den sonnennächsten Punkt stellt man sich gemeinhin irgendwie wärmer vor. Aber die Menschen, die etwa gerade in Australien mit den Nachwirkungen der Silvesterparty kämpfen, werden daran nichts auszusetzen haben. Dort ist nämlich gerade Hochsommer. Auch auf der südlichen Hälfte des Planeten leben Menschen, und dort sind die Jahreszeiten genau umgekehrt – das vergisst man auf der Nordhalbkugel der Erde gerne mal.
Ob wir Sommer haben oder Winter, hängt nicht vom Abstand der Erde zur Sonne ab, sondern von der Neigung der Erdachse und davon, welche Hälfte der Erde gerade zur Sonne hin oder von der Sonne weg geneigt ist. Das lernt man schon in der Grundschule. Aber warum ist das eigentlich so? Wenn die Erde doch jetzt am 4. Januar so nahe an der Sonne ist, wieso soll das keine Auswirkungen haben? Das erklärt einem niemand, denn die Details der Himmelsmechanik werden im Sachkundeunterricht vernachlässigt.
Der Abstand zwischen Erde und Sonne beträgt im Perihel circa 147 Millionen Kilometer. Ein halbes Jahr später, am 4. Juli 2022, wird unser Planet im Aphel stehen, was – richtig! – der Name für den sonnenfernsten Punkt der Umlaufbahn ist. Bis dahin wird die Distanz auf 152 Millionen Kilometer anwachsen. Der Unterschied beträgt 5 Millionen Kilometer – und das ist natürlich nicht Nichts. Das soll man erst mal zu Fuß gehen, bevor man darüber spottet. Aus astronomischer Sicht sind 5 Millionen Kilometer aber tatsächlich winzig. Auf jeden Fall ist das zu wenig, um einen relevanten Einfluss auf den Ablauf der Jahreszeiten zu haben.
Störungen mit eiskalten Folgen
Doch vielleicht wird die Himmelsmechanik in Zukunft doch noch Einzug in die Grundschulen halten. Denn dann wird sich das mit den Jahreszeiten ändern. Momentan ist der Unterschied zwischen Perihel und Aphel klein und die Bahn der Erde sehr kreisförmig. Aber die anderen Planeten des Sonnensystems üben mit ihrer Gravitationskraft Störungen auf die Erde aus. Nicht aus Böswilligkeit – sie könnten gar nicht damit aufhören, selbst wenn sie wollten. Denn alles, was Masse hat, übt eine Gravitationskraft aus. Daran lässt sich nichts ändern, und Abschirmen geht auch nicht. Die Erde stört natürlich zurück, aber verglichen mit großen Brocken wie Jupiter und Saturn kann sie wenig ausrichten.
Die Störungen der Riesenplaneten führen dazu, dass sich die Bahn der Erde im Lauf der Zeit ändert. Sie wird größer und kleiner. Sie wackelt ein wenig hin und her im Raum, und auch ihre Form ändert sich. Die Bahn kann mehr oder weniger kreisförmig sein, und je größer die Abweichung von der Kreisform ist, desto größer wird auch der Abstand zwischen Perihel und Aphel.





