Aufstehen, Arbeiten, Essen und wieder Arbeiten, dazwischen ein wenig Zerstreuung durch Literatur und Musik – so ließ Friedrich II. von Preußen seinen Tagesablauf gern darstellen. In zahlreichen Schriften wurde bereits zu Lebzeiten von seiner Regierung, seinem Charakter und auch von seinem Alltag berichtet. Mit Hilfe der Beschreibung seines täglichen Lebens ließen sich dabei seine Eigenschaften und seine Regierungsvorstellungen besonders anschaulich aufzeigen: Das Bild des hart arbeitenden Monarchen, der fast gänzlich auf Pomp und Luxus verzichtete, verdeutlichte seine Devise, erster Diener des Staates zu sein.
Während bei vielen dieser Schriften der Autor unbekannt ist, gibt es doch eine ganze Reihe von Werken, in denen sich Vertraute Friedrichs zu Wort meldeten. So beschrieben zum Beispiel sein Leibarzt Johann Georg Zimmermann, Kabinettsminister Ewald Friedrich von Hertzberg oder auch Generalmajor Karl Friedrich Wilhelm von Diebitsch, der lange unter Friedrich II. gedient hatte, ihre Erlebnisse mit dem preußischen König und versuchten dabei, dem interessierten Leser das tägliche Leben und den Charakter Friedrichs nahezubringen.
Der berühmteste dieser „Biographen“ war jedoch Voltaire. Mit „La vie privée du roi de Prusse, ou Mémoires pour servir à la vie de M. de Voltaire, écrits par lui-même“ setzte er Friedrich jedoch ein zweifelhaftes Denkmal. Er hatte das Werk in den Jahren 1758/59 verfasst, erschienen ist es erst 1784. Voltaire beschäftigte sich darin nicht nur mit der preußischen Geschichte und dem preußischen Hof, sondern auch mit dem Charakter und dem Tagesablauf Friedrichs. Als beredtes Zeugnis vom Zerwürfnis mit dem preußischen König zeichnete Voltaire in diesen Erinnerungen ein sehr negatives und zynisches Porträt Friedrichs II. und seines Hofs. Zwar wurde Friedrich als „homme d’esprit“ beschrieben, jedoch erzählte Voltaire zahlreiche boshafte Anekdoten, in denen er sich über Favoriten, die Abwesenheit von Frauen in Sanssouci oder den sehr sparsamen Haushalt ausließ. Auch der 1753 erschienene, ausführliche anonyme Bericht „Idée de la personne, de la manière de vivre et de la cour du roi de Prusse“ wird häufig Voltaire zu‧geschrieben. In der Ausrichtung ist dieser ebenfalls wenig vorteilhafte Bericht mit den Memoiren Voltaires vergleichbar. Eine spätere Auflage aus dem Jahr 1774 nennt Voltaire zwar als Verfasser, und auch Friedrich war davon überzeugt, wie er in verschiedenen Briefen zu verstehen gab, allerdings lässt sich seine Autorschaft nicht nachweisen.
Die beiden genannten Werke sind bezüglich ihrer Tonart eine Ausnahme. Die Mehrheit der Lebensberichte Friedrichs ist ihm gegenüber sehr positiv eingestellt. Sein Äußeres wird als angenehm beschrieben, sein Lebenswandel als sparsam, gleichförmig und zuverlässig. Seine Fehler sind hingegen die lässlichen Marotten eines großen Mannes. So hatte Friedrich eine große Leidenschaft für das Essen, insbesondere Obst, für das er große Summen Geldes ausgab.




