Zweifel an sich selbst und am Sinn ihres Daseins plagen depressive Menschen. Anhaltende Depressionen sind als Krankheit ernst zu nehmen, behandlungsbedürftig und mit verschiedenen Methoden auch behandelbar. Je nach der Persönlichkeit des Kranken und der Art der Störung kommen in Frage: Arzneimittel und Psychotherapien sowie physikalische Methoden wie Lichttherapie, Elektrokrampftherapie oder die noch experimentelle Stimulation des Gehirns mit Magnetfeldern. Oft führt erst eine Kombination mehrerer Behandlungsprinzipien zum Erfolg.
Unter den Medikamenten gegen Depressionen hat das nebenwirkungsarme Johanniskraut einen nahezu kometenhaften Aufstieg gemacht. Es hilft sieben von zehn Patienten mit leichten und mittelschweren Depressionen, wie weltweite Studien ergeben haben.
Prof. Walter Müller vom Pharmakologischen Institut für Naturwissenschaften am Biozentrum der Universität Frankfurt hat den Wirkmechanismus des Krautes untersucht: Johanniskraut verlängert die Wirkung bestimmter Botenstoffe an den Nervenendigungen des Gehirns, darunter Serotonin, Noradrenalin und Gamma-Aminobuttersäure. Die Botenstoffe stehen damit länger für Signalübertragungen zwischen Nervenzellen zur Verfügung, was die Stimmung hebt.
Das Wirkprinzip haben Johanniskraut-Extrakte mit synthetischen Medikamenten gemein – wie Trizyklika oder den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern. Auch sie bewirken, daß Serotonin und Noradrenalin vermehrt produziert oder langsamer abgebaut werden.
Diese Pharmaka sind jedoch stärker als pflanzliche und haben stärkere Nebenwirkungen – wie Kopfschmerzen, Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Nervosität. Sie können notwendig werden, wenn Johanniskraut – verabreicht in einer Dosis von dreimal 300 Milligramm am Tag – auch nach einigen Wochen noch nicht hilft.
Gegen die saisonale Depression, die nur in den düsteren Monaten des Jahres auftritt, empfiehlt Prof. Burkhard Pflug von der Universitätsklinik Frankfurt die Lichttherapie. Jahreszeitlich depressive Menschen sollten sich mit offenen Augen mindestens eine Stunde unter eine Lampe von wenigstens 2500 Lux setzen, möglichst am Morgen.
Letzter Rettungsanker für Patienten mit sonst nicht behandelbarer Depression kann die Elektrokrampftherapie sein. Unter Narkose lösen die Ärzte elektrisch Muskelkrämpfe aus. Die Erfolgsquoten liegen zwischen 70 und 80 Prozent. Eine unerwünschte Wirkung: Das Kurzzeitgedächtnis kann nachlassen.
Alternativ wird seit kurzem auch in Deutschland die nebenwirkungsarme transkranielle Magnetstimulation (TMS) erprobt. Dabei werden Nervenzellen im linken vorderen Stirnbereich mit starken pulsierenden Magnetfeldern gereizt. Bislang sind weltweit erst circa 750 Depressive damit behandelt worden, etwa 300 mit Erfolg. Eine Liste mit Forschern, die diese Methode anwenden, kann im Internet aufgerufen werden (siehe “medinfo Kontakt”).
medinfo Kontakt
Prof. Burkhard Pflug (Experte für die Lichttherapie) Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Frankfurt Heinrich-Hoffmann-Str. 10 60528 Frankfurt/M. Tel: 069 – 6301-5997
Information zur Magnetstimulation im Internet: http://www.musc.edu/tmsmirror/contacts.html
medinfo Medien
Buch
Fiona Shaw Zeit der Dunkelheit Der Weg aus einer Depression Kunstmann, München 1998 DM 38,-
Christian Adam Depressive Störungen im Alter Epidemiologie und soziale Bedingungen Juventa, Weinheim 1998 DM 54,-
Peter Treppner Depressionen erkennen und überwinden Thieme, Stuttgart 1997 DM 19,80
medinfo Grafik
Nicola Siegmund-Schultze





