Rund fünf Millionen Erwachsene leiden in Deutschland an Depressionen. Erste depressive Symptome wie Antriebsschwäche, Schlafschwierigkeiten und Interessenverlust treten häufig schon auf, lange bevor Ärzte eine tatsächliche depressive Störung diagnostizieren würden. Man spricht auch von subklinischen depressiven Symptomen. Wenn es einen Weg gäbe, bereits in diesem Stadium zu intervenieren und so das Entstehen einer schwereren klinischen Depression von vornherein zu verhindern, wäre vielen Menschen geholfen.
Wie gut schützen präventive Therapien?
Um herauszufinden, ob eine frühzeitige, präventive Therapie vor dem Ausbruch depressiver Störungen schützen kann, haben Forschende um Claudia Buntrock von der Universität Magdeburg nun eine Metaanalyse durchgeführt. Dafür berücksichtigten sie 30 Studien, an denen insgesamt rund 7.200 Probanden mit subklinischen depressiven Symptomen teilgenommen hatten. Die Hälfte von ihnen erhielt frühzeitig eine Therapie, die andere Hälfte erhielt keine Interventionen. Die psychotherapeutischen Maßnahmen waren in der Regel auf einen kurzen Zeitraum von sechs bis zwölf Sitzungen begrenzt und konnten persönlich oder digital stattfinden. Zu den Interventionen gehörten verhaltenstherapeutische Elemente, Problemlösungstrainings und Übungen für einen erholsameren Schlaf.
Das Ergebnis: Das Risiko, an einer depressiven Störung zu erkranken, war in den ersten sechs Monaten nach Ende der Intervention im Vergleich zur Kontrollgruppe um 42 Prozent verringert, wie Buntrock und ihre Kollegen berichten. Zwölf Monate nach Interventionsende waren es immerhin noch 33 Prozent. Aussagen über längere Zeiträume sind den Forschenden zufolge aufgrund fehlender Daten allerdings schwierig. „Bemerkenswert war, dass die Wirksamkeit der Maßnahmen nicht von Faktoren wie Alter, Bildungstand und Geschlecht abhängig zu sein scheint”, sagt Buntrock. Allerdings verliefen die Interventionen in der Regel erfolgreicher, wenn die teilnehmenden Personen zuvor noch nicht wegen Depressionen behandelt worden waren.
Praktische Umsetzung hapert noch
„Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass wir auch bei der psychischen Gesundheit durch Prävention viel erreichen können“, sagt Co-Autor David Ebert von der Technischen Universität München. In der praktischen Umsetzung scheitert dieser Ansatz aktuell allerdings noch. Denn vielerorts haben es selbst Menschen mit diagnostizierter depressiver Störung schwer, einen Therapieplatz zu finden. Auch die Diagnose wird häufig erst bei klinischen Symptomen gestellt. Für Patienten, die „nur“ präventiv eine Therapie machen wollen, wäre es somit fast unmöglich, fündig zu werden. Möglicherweise könnten künftig aber spezielle digitale Angebote geschaffen werden, die dabei helfen, Depressionen frühzeitig abzuwehren, wie das Team vorschlägt.





