Das Buch der drei Autorinnen und Autoren beleuchtet zunächst familiäre Prägungen zwischen väterlichem Deutschnationalismus und mütterlichem humanistischem Ideal. Prägend war für Litten zum einen das angespannte Verhältnis zum Vater, der – was Hans Litten stark kritisierte – aus Karrieregründen vom Juden- zum Christentum konvertierte, zum anderen die gute Beziehung zur Mutter, welche großen Einfluss auf Littens Gerechtigkeitsempfinden gegenüber Verfolgten und Entrechteten hatte.
Beachtung findet im Buch auch die Ausbildung von Littens politischer Einstellung, die eine ihrer Wurzeln im Engagement in der sozialrevolutionären Ideen anhängenden deutsch-jüdischen Jugendbewegung „Schwarzer Haufen“ hatte, aber auch von den Antikriegsdemonstrationen 1916 und der Verhaftung und Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht geprägt war.
Der größte Teil des Buches widmet sich Littens unermüdlichem Einsatz für die Belange politisch verfolgter Arbeiter, die er für die proletarische Selbsthilfeorganisation „Rote Hilfe“ als Anwalt verteidigte. Es gibt einen guten Überblick über die Konflikte zwischen Arbeitern und Nationalsozialisten im Berlin der damaligen Zeit und veranschaulicht anhand der von Litten geführten Prozesse die zunehmende Zersetzung der Rechtsstaatlichkeit und das Versagen großer Teile der Justiz. Berühmt geworden ist die Vernehmung Hitlers, der von Litten im Rahmen des „Edenpalast-Prozesses“ 1931 als Zeuge vorgeladen wurde, sich im Verhör in beträchtliche Widersprüche verstrickte und sich letztlich von Goebbels Propaganda distanzieren musste, um den Schein der Verfassungstreue der NSDAP zu wahren.
Hans Littens aufrechte und unbequeme Haltung sowie seine öffentlichkeitswirksamen Prozessmethoden führten dazu, dass er unmittelbar nach dem Reichstagsbrand 1933 in Haft genommen wurde. Es folgte ein jahrelanges Martyrium in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern, das schließlich 1938 mit seinem Selbstmord im KZ Dachau endete.
Das Buch bietet einen gelungenen Zugang zur vielschichtigen Persönlichkeit Hans Littens und ist mit einem umfangreichen Anmerkungs- und Literaturverzeichnis versehen – lediglich das Fehlen eines Personenregisters ist hier zu bemängeln.
Rezension: Moser, David




