Heinrich Schliemann (1822– 1890), als Sohn eines Pastors in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, macht als Kaufmann in St. Petersburg ein Vermögen. Im mittleren Alter beginnt er sich umzuorientieren. Er unternimmt ausgedehnte Reisen, sucht sein Glück in Amerika, beginnt in Paris unter anderem Griechische Philosophie zu studieren und entdeckt schließlich seine Vorliebe für die neue aufstrebende Wissenschaft der Archäologie. 1868 reist Schliemann auf den Spuren Homers nach Ithaka, auf die Peloponnes und in die Troianische Ebene. Zu diesem Zeitpunkt herrscht über die Lage Troias Uneinigkeit. Die meisten Gelehrten halten den Hügel Ball? Dag bei P?narbas? für Troia. Auch Schliemann führt dort eine kleine Grabung durch, findet aber keine Hinweise, die diese Theorie stützen. Der britische Konsul und Grundbesitzer Frank Calvert überzeugt Schliemann davon, daß Troia auf dem Hügel Hisarl?k zu finden sei. Calvert hatte dort bereits gegraben, ihm fehlte jedoch das Geld, die Arbeiten im großen Stil weiterzuführen. Nach der Anerkennung seiner Dissertation beginnt statt dessen Schliemann 1871 mit großem Eifer und offizieller Grabungsgenehmigung die Suche nach Troia auf dem Hügel Hisarl?k. Wie die allermeisten seiner Zeitgenossen hat auch Schliemann keine Erfahrung mit Ausgrabungen. In der Annahme, das gesuchte Homerische Troia läge direkt auf dem Fels, läßt er, ohne Rücksicht auf die zutage kommenden Strukturen, riesige Gräben quer durch den Hügel ausheben. Erst im dritten Grabungsjahr erkennt er seinen Fehler. Er identifiziert nun statt der untersten die zweite Schicht als Homerisches Troia und gräbt diese Siedlung großflächig aus. Trotz seiner methodischen Fehler setzt Schliemann von Anfang an auch erstaunlich fortschrittliche Methoden ein. Er läßt die Zusammensetzung von Metallen ermitteln oder die Keramik naturwissenschaftlich untersuchen. Bereits früh erkennt er die Bedeutung auch einfacher Scherben für die Datierung…
Museumstip: Schliemanns Elternhaus im mecklenburgischen Ankershagen, 1980 in ein Museum umgewandelt, zeigt neben einer Dokumentation seines Lebensweges unter anderem sogar ein Originalfundstück aus Troia.
Diane Thumm




