Beim Thema Tinnitus stehen Ärzte vor einem Problem: Die ständigen Ohrgeräusche belasten die Betroffenen zwar extrem, sie sind für alle anderen jedoch unhörbar. Das erschwert nicht nur die Diagnose, sondern macht es Ärzten auch nahezu unmöglich, den Erfolg oder Misserfolg einer Therapie objektiv zu beurteilen.
Hoffnung weckt nun eine Studie des Detroiter HNO-Spezialisten Michael Seidman: Es gelang ihm, deutliche Unterschiede im Hirnstrommuster von Tinnitus-Patienten und Menschen ohne Ohrgeräusch zu identifizieren – speziell im Bereich des Hörzentrums auf der Gehirnseite, die für das betroffene Ohr zuständig ist. Dazu nutzte er die Magnetenzephalographie (MEG), bei der winzige Magnetfelder – erzeugt durch die elektrische Aktivität des Gehirns – gemessen werden. Damit sei es möglich, die Position der verantwortlichen Hirnareale deutlich genauer zu bestimmen als mit den bisher verwendeten bildgebenden Methoden, so Seidman.
Tobias Kleinjung, Leiter des Tinnituszentrums Regensburg, sieht ein großes Potenzial in diesem Ansatz. Allerdings ist die MEG extrem teuer und aufwendig, sodass sie sich wohl kaum für einen künftigen Routineeinsatz eignet. Kleinjung setzt hier auf die direkte Hirnstrommessung, die EEG: Vor allem in Kombination mit neuen computerbasierten Auswertemethoden habe sie sich ebenfalls in den vergangenen Jahren vielversprechend entwickelt.
Zu wissen, welche Areale im Gehirn die Ohrgeräusche verursachen, hält der Tinnitus-Experte aus einem weiteren Grund für wichtig: Nur so könne man gezielt versuchen, die Gehirnaktivität zu verändern – etwa direkt über eine elektrische Stimulation des Gehirns oder durch Magnetfelder von außen –, um damit irgendwann das Ohrgeräusch endgültig „auszuknipsen”.





