Nach dem Sieg der Alliierten waren 1945 alle nationalsozialistischen Organisationen aufgelöst worden. Da der gesamte Sport unter der Kontrolle des Regimes gestanden hatte, gab es dementsprechend auch keine organisierten Freizeitaktivitäten mehr für Jugendliche. Dieser Mangel beunruhigte die Westmächte, da die Jugendkriminalität zunehmend ein Problem darstellte. Doch dies war nicht der einzige Grund, Kindern und Jugendlichen Angebote für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu machen. Darüber hinaus war den Verantwortlichen der Westalliierten klargeworden, dass der Sport – vor allem für Jugendliche, die nahezu ihr gesamtes Leben unter nationalsozialistischer Herrschaft gelebt hatten – ein geeignetes Mittel war, um demokratisches Gedankengut in breiten Schichten der deutschen Bevölkerung zu verankern. Sport schien deshalb besonders geeignet, da er sich allgemeiner Beliebtheit erfreute und es keine Beschränkungen hinsichtlich des Bildungsniveaus oder der sozialen Schicht gab. Im Mittelpunkt dieser Programme standen Wettkämpfe, Trainings- oder Austauschprogramme zwischen Deutschen und Bürgern aus den Ländern der Siegermächte. Die britische Sportpolitik setzte ganz auf den Fußball. So teilte Feldmarschall Bernard Montgomery der Regierung in London im Januar 1946 mit, dass er „im Interesse der demokratischen Umerziehung der deutschen Jugend Fußballspiele zwischen Armeeangehörigen und deutschen Fußballvereinen für Jungen“ geplant habe. Auch im britischen Außenministerium herrschte die Überzeugung vor, dass die „Austragung von Wettkämpfen zwischen Mannschaften aus britischen und deutschen Zivilisten einen Beitrag zur demokratischen Umerziehung des deutschen Volkes leisten“ könne. Die Militärregierung organisierte daher Austauschprogramme für Sportler aus und nach Deutschland, um auf diese Weise den deutschen Sport zu fördern und die internationalen Beziehungen zu festigen. Nach einem ersten Wettkampf zwischen deutschen Sportlern und Angehörigen der britischen Rheinarmee trat die Leichtathletikmannschaft der Universität Oxford gegen deutsche Studenten an. Im Frühjahr 1949 stellte sich eine britische Fußball-Auswahlmannschaft dem Berliner Sport-Verein 1892. Das Spiel war, „wenn nicht ein Höhepunkt des britischen Sports, so auf jeden Fall aber ein Schritt in die richtige Richtung bei den britisch-deutschen Beziehungen“. Noch im selben Jahr empfingen die Berliner Fußballer die Mannschaft von Stockholm AIK; und 1950 reisten sie selbst nach Dänemark und Schweden, um an einer Reihe von Freundschaftsspielen teilzunehmen.
Diese internationalen Sportveranstaltungen wurden, so die US-Militärregierung, in Berliner Zeitungen „als wichtiger Meilenstein bei der Wiederaufnahme freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Ländern“ gepriesen. Im Frühjahr 1950 ermöglichte es die britische Militärregierung einer deutschen U-18-Fußballmannschaft, in Großbritannien gegen Teams aus London, Birmingham, Nottingham und Sunderland anzutreten. Die Reise half den Spielern nicht nur beim Sammeln sportlicher Erfahrungen, sondern trug auch zur Förderung der Beziehungen zwischen Briten und Deutschen bei – insbesondere durch die positive Berichterstattung in der Presse. Darüber hinaus floss die Hälfte der eingenommenen Gelder zurück nach Deutschland, um die dortige Jugendarbeit weiter zu fördern…




