Das war aber wohl nicht immer so. Skelettuntersuchungen an unserem vor rund drei Millionen Jahren lebenden Urahn Australopithecus sowie die Vermessung seiner Fußspuren ergaben, dass er ohne Pausen allenfalls kurze Strecken zurücklegen konnte. Insgesamt ist die Tatsache, dass der Mensch heute derart kräftesparend und damit ausdauernd laufen kann, das Ergebnis einer Evolution über Millionen von Jahren. In deren Verlauf – auch das belegen Knochenuntersuchungen fossiler Skelette – wurden Rumpf und Arme kürzer, die Beine dagegen deutlich länger. Dadurch verdoppelte sich die Schrittlänge fast. Und während der Fersenknochen immer größer wurde, was ein sanfteres Aufsetzen des Fußes erlaubte, schrumpften die Zehen. Das erleichterte maßgeblich das Abrollen beim Gehen. All das deutet darauf hin, dass der Mensch nur ganz allmählich zum Ausdauerläufer geworden ist. Denn erst bei längerem Rennen sparen Sehnen und Fußwölbung ein Maximum an Kraft ein und halbieren den Energieverbrauch. Auch die im Lauf der Zeit größer werdende Gesäßmuskulatur ergibt in diesem Zusammenhang einen tieferen Sinn.
Warum unsere Vorfahren läuferisch immer ausdauernder wurden, können Forscher nur vermuten. Möglicherweise optimierten sie so ihre Jagdstrategie. Schließlich sind Hunde und Menschen die einzigen Säuger, die in der Lage sind, ihre Beute zu Tode zu hetzen. Biologen wenden jedoch ein, derartige Jagden seien für die Steinzeitmenschen mit ihrer unzuverlässigen Nahrungsversorgung viel zu energieaufwendig gewesen, zumal dabei ein Erfolg keineswegs garantiert war. Sie glauben eher, dass unsere Urahnen rannten, um vor anderen Fleischfressern, also Nahrungskonkurrenten, an einem verendeten Tier anzukommen. Wie dem auch sei, einig sind sich die Experten, dass der Dauerlauf in Ostafrika entstanden ist, nachdem sich die Savanne dort ausgebreitet hatte und der frühe Mensch lange Strecken zu Fuß zurücklegen musste. Nicht weit entfernt von der Wiege der Menschheit liegt also die Wiege des Dauerlaufs.





