Dass das beobachtbare Universum früher viel kleiner, dichter und heißer war als heute, lässt sich mithilfe der Allgemeinen Relativitätstheorie verstehen. Wenn das auch natürlich kein Beweis für den Urknall ist, so gibt es doch zahlreiche Beobachtungen, die für einen Urknall sprechen. Dazu gehören die Häufigkeit von Wasserstoff und Helium im All sowie die Kosmische Hintergrundstrahlung (dazu mehr bei der Frage „Merkt man noch heute etwas vom Urknall?”). Und dazu gehört auch die Entdeckung der kosmischen Expansion. Dass sich das All ausdehnt, hatten Kosmologen vorausgesagt, bevor es beobachtet wurde. Zwar hatte Vesto Melvin Slipher am Lowell Observatory in Arizona schon um 1914 erste Anzeichen dafür entdeckt, dass sich die Galaxien voneinander entfernen. Doch die Existenz anderer Galaxien außerhalb der Milchstraße war damals noch reine Spekulation. Sie wurde erst 1924 von dem amerikanischen Astronomen Edwin Powell Hubble und anderen nachgewiesen.
Hubble war es auch, der zusammen mit Milton Humason dank des neuen 100-Zoll-Teleskops auf dem Mount Wilson ab 1929 Sliphers Vermutung bestätigte: Die Spektren anderer Galaxien – ihr in die Regenbogenfarben zerlegtes Licht – sind größtenteils in den langwelligen, roten Bereich verschoben, und zwar umso stärker, je weiter diese Galaxien von uns entfernt sind. Das bedeutet: Sie bewegen sich von der Milchstraße fort, und zwar um so schneller, je weiter weg sie sind. Die Milchstraße ist dabei jedoch keineswegs das imaginäre Zentrum einer ungeheueren Explosion: Von jeder anderen Galaxie aus wäre derselbe Effekt zu beobachten. Er ist schlichtweg die Folge davon, dass der Zwischenraum der Galaxienhaufen wächst. Denn alle diese Haufen bewegen sich auseinander wie Rosinen in einem aufgehenden Kuchenteig. Damit steht fest: Der Weltraum ist nicht statisch, sondern er dehnt sich aus (siehe Kasten auf der linken Seite: „Das Weltall als Luftballon”).





