Leopold Mozart, der Vater des „Wunderkindes“ Wolfgang Amadeus, wird 1719 in Augsburg als Sohn eines Buchbindermeisters geboren. Nach Gymnasial- und abgebrochenen Universitätsstudien heiratet er 1747, inzwischen Hofgeiger in Salzburg, die aus einer Salzburger Beamtenfamilie stammende Anna Maria Pertl. Von den sieben Kindern überleben nur die am 30. Juli 1751 geborene Maria Anna (Nannerl) und der am 27. Januar 1756 geborene Johann Chrysostomus Wolfgang Theophilus (= lateinisch Amadeus). Der umfassend gebildete Vater erkennt bald die einzigartige musikalische Begabung des Sohnes und fördert sie als Lehrer und Erzieher von Anfang an („Ich bin diese Handlung dem allmächtigen Gott schuldig, sonst wäre ich die undankbarste Creatur“). Unter seinen Augen entstehen die ersten kleinen Klavierstücke des Fünfjähri?gen. 1762 beginnt der Vater Leopold Mozart die Konzertreisen seiner Kinder mit einer Fahrt nach München. Wolfgang und seine ebenfalls hochbegabte Schwester Nannerl präsentieren sich auf dem Klavier vor dem Kurfürsten Max III. Joseph, im selben Jahr auch in Wien vor Maria Theresia.
Als Vater Mozart etwa Anfang 1763 mit dem befreundeten Hoftrompeter Schachtner und einem Geiger ein Trio spielt, bittet Wolfgang, die zweite Geige mitspielen zu dürfen. Der Vater verbietet dies zunächst, weil er noch keine Unterweisung im Violinspiel bekommen habe. Auf Ersuchen Schachtners wird Wolfgang dann aber doch gestattet, bei ihm leise die zweite Geige mitzuspielen. Bald hört Schachtner, daß er ganz überflüssig ist, und legt seine Geige beiseite. Zum großen Erstaunen der Beteiligten spielt Wolfgang den Part allein weiter.
Im Juni 1763 bricht Leopold Mozart mit seiner Familie zu einer dreijährigen Reise auf, „um der Welt das größte Wunder darzustellen, dessen sich Europa und die Menschheit überhaupt rühmen kann“. Der Weg der Mozarts führt nach Schwetzingen. Dort musizieren Wolfgang und Nannerl vor dem Kurfürsten Karl Theodor. In Frankfurt hört die Familie Goethe ein Konzert der Kinder.
Ein erstes Hauptziel auf der strapazenreichen Fahrt mit vielen Konzertaufenthalten ist Paris. Hier spielen die Kinder mehrmals bei Hof, hier erscheinen die ersten Druckwerke des Siebenjährigen. Von April 1764 bis Juli 1765 hält sich die Familie in England auf. Wolfgang und Nannerl werden von König Georg III. und seiner Gemahlin herzlich empfangen. Prägend ist für ihn die Bekanntschaft mit dem jüngsten Bach-Sohn Johann Christian, dem Musikmeister der Königin. Nicht zuletzt unter dessen Einfluß entstehen die ersten Sinfonien des Acht- bis Neunjährigen. Gerade in London wird die unbegreifliche Frühentwicklung Wolfgangs deutlich. Leopold Mozart schreibt am 28. Mai 1764: „… das, was er gewust, da wir von Salzburg angereist, ist ein purer Schatten gegen demjenigen, was er iezt weis. Es übersteiget alle Einbildungskraft.“




