Der Fachbegriff für Jungfernzeugung lautet Parthenogenese – ein Phänomen, das man bei mehreren hoch entwickelten Tierarten beobachtet hat. Die Mitarbeiter im Henry Doorly Zoo in Nebraska waren sicher schwer beeindruckt, als ein weiblicher Hammerhai, der seit Jahren kein Männchen gesehen hatte – vielleicht als Protestaktion – 2001 ein Baby zur Welt brachte. Ein kleines Wunder, das leider Stunden später von einem Stachelrochen aufgespießt wurde. Keine Zeit für Weihrauch und Myrrhe. Bei Wirbeltieren ist Jungfernzeugung bereits bei über 70 Arten beobachtet worden. Wieso also nicht auch beim Menschen?
Das Hindernis: Imprinting
Die Antwort steckt in unserer DNA. Wir tragen von den meisten Genen zwei Versionen in uns – eine Kopie vom Vater, eine von der Mutter. Sollte eine Version kaputt sein, gibt es also noch eine Backup-Kopie. Eine Ausnahme bilden Gene mit genomischer Prägung, auch Imprinting genannt. Von diesen sind zwar auch zwei Kopien vorhanden, allerdings ist nur eine davon aktiv, entweder die väterlich oder die mütterlich vererbte. Die andere Kopie ist stillgelegt und wird nicht abgelesen.
Weniger als ein Prozent unserer Gene weisen eine genomische Prägung auf. Betroffen sind vor allem DNA-Abschnitte, die bei der embryonalen und frühkindlichen Entwicklung eine Rolle spielen. Sowohl weibliche Eizellen als auch männliche Samenzellen enthalten prinzipiell alle Gene, die notwendig sind, um einen vollständigen Menschen zu erschaffen. Durch das Imprinting braucht es aber dennoch sowohl ein väterliches als auch ein mütterliches Genom, damit von allen Entwicklungsgenen eine aktive Kopie vorhanden ist. Imprinting verhindert also Jungferngeburten. Was dahinter steckt, ist noch nicht restlos geklärt. Es gibt dafür zwei Hypothesen:
Die Eierstock-Zeitbomben-Hypothese
Demnach soll Imprinting verhindern, dass sich unbefruchtete Eizellen spontan teilen und anfangen sich zu entwickeln. Ungewollte Zellteilungen sind nämlich ein zentraler Schritt bei der Entstehung von Tumoren.
Die Eltern-Konflikt-Hypothese
Sie ergibt sich aus zwei Beobachtungen, die viele Frauen und manche Männer im Laufe ihres Lebens machen müssen:





