Meine persönliche Lebenserfahrung mit einer enorm leistungsfähigen Mutter, einer sich gegen viele Widerstände souverän behauptenden Frau sowie zwei ungewöhnlich agilen, sportlich kampfbereiten und unermüdlich für ihre eigenen Kinder einsatzbereiten Töchtern hat mich schon länger zu jener Überzeugung geführt, die inzwischen auch aus biomedizinischer Perspektive in folgendem Satz zusammengefasst werden kann: Der weibliche Körper ist belastbarer als der männliche. Bedenkt man, dass Frauen Kinder zur Welt bringen, leuchtet diese Aussage ein.
Die Männer sind die Schwachen, wie die medizinische Wissenschaft nicht mehr übersehen konnte, als sie die COVID-Pandemie genauer untersuchte und merkte, dass weibliche Körper sich besser gegen den Eindringling zur Wehr zu setzen vermochten. Inzwischen konnten Beobachtungen mit Tieren den Geschlechterunterschied bestätigen, da sich die Weibchen als widerstandsfähiger erwiesen haben – außer während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt.
Es ist allgemein bekannt, dass bei den Säugetieren – die Menschen eingeschlossen – männliche Exemplare früher sterben als weibliche, und es scheint, dass das Geschlecht auch über das Fortleben oder Absterben von Zellen mit zunehmendem Alter des Lebewesens entscheidet. Menschen, die moderate Hirntraumata erlitten haben, geht es zwar statistisch gesehen schlechter, wenn es sich um Frauen handelt. Mit schweren traumatischen Schäden kommen sie aber viel besser zurecht als Männer – weshalb inzwischen die Suche nach molekularen Erklärungen eröffnet wurde. Männliche Zellen verfügen über geringere Mengen des Antioxidans Glutathion, was sie verletzlicher für die Wirkung von freien Radikalen macht, die oftmals Schäden bis zum Zellsterben bewirken.
Der weibliche Körper wird nach der Menopause anfälliger für einen ischämischen Schlaganfall als der männliche, wobei die Medizin meint, dies hinge mit Östrogen und Progesteron zusammen, deren hohe Verfügbarkeit das weibliche Gewebe zuvor nicht nur hiergegen geschützt, sondern allgemein vor zellulären Schädigungen bewahrt hat. Derzeit erforschen viele Laboratorien, ob man moderate Hirntraumata mit weiblichen Sexualhormonen behandeln kann, um Schaden von den Patienten abzuwenden.
Das scheinbar schwächere Geschlecht würde dem vermeintlich stärkeren helfen, ohne etwas in Retour zu bekommen. Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen würde weiter wachsen, die bereits an der Stelle beginnt, an der Eltern ihre Söhne eher zur Diagnose in ein Krankenhaus schicken als ihre Töchter, warum auch immer. Auf jeden Fall können Männer gesünder werden, wenn man sie weiblicher macht. Ein schöner Gedanke.





