Das durch eine extreme Kulturlandschaft geprägte Saudi-Arabien schaut nicht auf die gleichen urbanen Traditionen altorientalischer Siedlungshügel oder prachtvoller islami‧scher Altstädte zurück wie die Regionen des fruchtbaren Halbmonds mit Syrien/Palästina, Südostanatolien und dem Irak oder Ägyptens und Irans. Dennoch war es kein kulturelles Ödland. Vor allem durch den überregionalen Handel entlang der Weihrauchstraße überwanden Menschen die schwierigsten geographischen Hindernisse. Mit der Domestikation des Dromedars vor mehr als 3000 Jahren wurde auch in Trockengebieten Handel über große Strecken möglich, und der Bedarf an Weihrauch aus Südarabien für kultische Handlungen führte vor allem seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. zu einem Aufschwung des Karawanenhandels. So gelangten wechselnde Geschmacksmuster, Ideen und technisches Know-how in die Oasenstädte und -staaten. Lokal tradierte Lebensformen traten mit überregionalen Stilen in Konkurrenz, und kulturelle Güter beispielsweise aus Ägypten fanden ihren Weg bis tief nach Arabien hinein.
Der Wandel der Stadtkulturen in der christlichen Spätantike minderte die kultische Bedeutung von Weihrauch, so in den vielen Hausaltären. Damit verlor die Weihrauchstraße an Bedeutung, und die blühenden Stadtkulturen in den Oasen büßten einen guten Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen ein. Das änderte sich erst mit dem Entstehen und der Verbreitung des Islam seit dem frühen 7. Jahrhundert, denn die Wirkungsstätte Mohammeds war als religiöses Zentrum des neuen Glaubens Ziel der jährlichen Wallfahrten (hadsch), die gläubige Muslime mindestens einmal im Leben vollziehen sollten. Anstelle der Weihrauchstraße mit ihren verzweigten Netzwerken waren es nun die Hadsch-Routen, an denen Handel getrieben wurde.
Mekka (al-Makka al-Mukarrama, das gesegnete Mekka) war schon in vorislamischer Zeit Pilgerort mit der Kaaba als Heiligtum. Zunächst nur ein Kultplatz, der einmal im Jahr zu Festen auflebte, entwickelte sich eine städtische Siedlung wohl erst in der Spätantike. Während der vorislamischen Pilgerfahrten galt ein ritueller Frieden, in dessen Schatten sich ein überregionaler Markt entwickelte. Viele Händlerfamilien waren hier zu Hause, so auch die Quraisch, die seit dem 5. Jahrhundert die Geschicke der Stadt lenkten. Zu diesem Stamm gehörte auch der Prophet Mohammed (570– 632). In Mekka empfing er die ersten Offenbarungen und begann mit der Verkündigung seiner neuen monotheistischen Religion – ausdrücklich in der Tradition der Abraham’schen Religionen, jedoch strikt gegen den altarabischen Polytheismus gerichtet.
Als Ursprungsort des Islam und sein religiöser Mittelpunkt richten Muslime in aller Welt ihr tägliches Gebet nach der Kaaba in Mekka. Nach islamischer Tradition wurde sie als „Haus Gottes“ von Abraham und seinem Sohn Ismail gebaut und 628 durch Mohammed von Götzenbildern gereinigt. Das siebenmalige Umschreiten der Kaaba ist eine der wichtigsten kultischen Handlungen während der Hadsch.




