Das Rätsel um den Ursprung - wissenschaft.de | Bild der Wissenschaft
BDW PlusErde & Umwelt
Das Rätsel um den Ursprung
Jeder heute lebende Mensch ist der vorläufige Endpunkt einer langen Reihe von Vorfahren. Wo sich diese Ahnenreihen in ferner Vergangenheit treffen, müsste logischerweise sowohl der zeitliche als auch der geografische Ursprung des modernen Homo sapiens festzumachen sein. Tatsache ist jedoch: Unsere Evolutionslinie…
Sie haben noch 2 von 3 kostenlosen Artikeln übrig1/3
von THORWALD EWE
Jeder heute lebende Mensch ist der vorläufige Endpunkt einer langen Reihe von Vorfahren. Wo sich diese Ahnenreihen in ferner Vergangenheit treffen, müsste logischerweise sowohl der zeitliche als auch der geografische Ursprung des modernen Homo sapiens festzumachen sein. Tatsache ist jedoch: Unsere Evolutionslinie verschwindet stre-ckenweise hinter undurchdringlichem Nebel, und der Anfang liegt im Dunklen verborgen.
In kompromissloser Klarheit hat das eine neue Studie aufgezeigt, veröffentlicht im Februar 2021 in der Fachzeitschrift Nature. Das Autorenteam, bestehend aus den Paläoanthropologen Eleanor Scerri und Chris Stringer sowie den Paläogenetikern Mateja Hajdinjak, Anders Bergström und Pontus Skoglund, identifizierte drei Phasen voller offener Fragen:
die globale Expansion des modernen Menschen vor 40.000 bis 60.000 Jahren,
die Ausprägung der genetischen Vielfalt der Menschheit vor 60.000 bis 300.000 Jahren in Afrika,
die Abspaltung der Vorfahren des modernen Menschen von archaischen Menschengruppen vor 300.000 bis einer Million Jahren.
Bei ihrer Analyse beugten sich die Forscher über sämtliche wissenschaftliche Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte mit markanten Aussagen zur Evolutionsgeschichte des modernen Menschen. Sie verglichen die Ergebnisse, notierten die Gemeinsamkeiten und orteten die Widersprüche.
Pontus Skoglund, Paläogenetiker am Londoner Francis Crick Institute, bringt das Resultat so auf den Punkt: „Entgegen einer weit verbreiteten Annahme konnten weder genetische Befunde noch Fossilfunde einen bestimmten Zeitpunkt und einen bestimmten Ort für den Ursprung unserer Art aufzeigen.“ Konsequenterweise empfiehlt Skoglund seiner Zunft, „sich von dieser Vorstellung zu lösen“. Was die Forscher meinen, wenn sie von „modernen Menschen“ reden, war ursprünglich eine rein anatomische Kategorie. Skoglunds Mitautor Chris Stringer, Paläoanthropologe am Natural History Museum in London, zählt auf: „Zu den wichtigsten Merkmalen des modernen Menschen gehören sicherlich die folgenden vier: ein kugeliges Schädeldach, ein fehlender oder zumindest reduzierter Überaugenwulst, ein vorspringendes Kinn sowie ein schmales Becken.“
Die Skelette „archaisch“ genannter Menschen weisen dagegen einen langgezogenen Schädel nach Art eines Rugby-Balls auf, ferner einen markanten Überaugenwulst, ein fliehendes Kinn sowie ein ausladendes Becken. Zu den „Archaischen“ gehören Neandertaler und Denisovaner.
Später wurde die rein morphologische Definition des modernen Menschen, die sich auf die äußere Form von Skelettknochen beschränkte, um die Bedingung „modernes Verhalten“ erweitert. Indizien dafür: Bestattungsriten, fortschrittliche Werkzeuge und Waffen sowie – sofern erhalten – Kunst.
Mehr aus Erde & Umwelt
Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Erde & Umwelt.
Um die letzte Jahrtausendwende eröffnete sich mit der Genetik noch eine weitere Chance der Identifikation. Über die DNA, die in menschlichen Fossilien enthalten ist, lässt sich auf lange zurückliegende Verwandtschaften und Wanderungen schließen – so auch auf genetische Nähe zu den „Modernen“ und zur heutigen Menschheit. Bereits ein einzelner Zahn oder Knochensplitter kann die Zuordnung „moderner Mensch“ erlauben – vorausgesetzt, das Fossil enthält ausreichend intakte Erbsubstanz.
Die große Expansion aus Afrika
Mit der neuen DNA-Analysetechnik konnten Paläogenetiker präzisieren, was die Paläoanthropologen Stringer und dessen Hamburger Kollege Günter Bräuer bereits Ende der 1980er-Jahre allein anhand von Schädelfunden postuliert hatten: das „Out-of-Africa“-Szenario („Hinaus aus Afrika“) einer großen Expansion moderner Menschen aus Afrika in die ganze Welt. Die genetischen Daten engten das Zeitfenster dieser Wanderwelle auf 50.000 bis 60.000 Jahre vor heute ein. Die Genome sämtlicher heute außerhalb Afrikas lebender Menschen leiten sich größtenteils von diesen damals ausgewanderten Afrikanern ab. Doch diese genetisch bestens untermauerte Gewissheit passt immer schlechter zu der Fossilien-Fundlage, die sich weltweit entwickelt. Das monieren die Autoren der Nature-Studie.
Relativ wenig Kopfzerbrechen bereitet noch, dass schon vor Beginn der großen Expansionswelle immer wieder kleinere Gruppen von modernen Menschen aus Afrika ins angrenzende Arabien und in die Levante eingesickert sind. Ihre Fossilien fanden sich in den israelischen Höhlen von Skhul und Qafzeh (90.000 beziehungsweise 130.000 Jahre alt) und im saudiarabischen Al Wusta (90.000 Jahre). Das waren wohl gelegentliche Ausflüge in den nordöstlichen Vorhof des afrikanischen Kontinents, begünstigt von einer feuchtwarmem Klimaperiode, die vor rund 130.000 Jahren eingesetzt hatte.
Unmöglich ist es jedoch, die mittlerweile deutlich gewachsene Zahl von Spuren moderner Menschen aus weit früherer Zeit oder in weit größerer Distanz zu Afrika in dasselbe Erklärschema zu pressen. Da ist beispielsweise ein fossiles Kieferbruchstück mit eindeutig modernen Zähnen aus der israelischen Misliya-Höhle – 180.000 Jahre alt, somit 120 Jahrtausende vor der großen Expansion aus Afrika. Verwirrung stiftet auch ein Schädel mit kugelig-moderner Scheitelregion aus der Apidima-Höhle in Griechenland – 210.000 Jahre alt.
Die rästelhaften Auswanderer
Vollends spektakulär sind Funde aus Ostasien. 2015 wurden mindestens 80.000 Jahre alte Zähne, zweifellos von modernen Menschen, in der Fuyan-Höhle im südchinesischen Daoxian ausgegraben. Mit mindestens 106.000 Jahren noch älter sind anatomisch moderne Zähne und ein Unterkiefer aus der Zhiren-Höhle in Guangxi, ebenfalls Südchina. Dazu kommen Fossilien von modernen Menschen aus Laos und Sumatra, die alle zeitlich vor der großen Expansion liegen.
„Was ist all diesen frühen Auswanderern zugestoßen?“, wundert sich Ko-Autorin Eleanor Scerri vom Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte. „Warum haben sie keine Spuren in den Genomen der heutigen Menschheit hinterlassen?“
Die Afrika-Spezialistin Scerri legt den Finger auf einen weiteren blinden Fleck in unserer Evolutionsgeschichte: Warum haben überhaupt Gruppen moderner Menschen ihre – wohl ostafrikanische – Heimat verlassen? Was war der Auslöser der großen Wanderbewegung vor rund 60.000 Jahren?
„Das ist eine ganz bedeutsame Frage“, unterstreicht Scerri. „Lange haben wir Forscher uns darauf fokussiert, wann einige Afrikaner aus ihrem Heimatkontinent auf Wanderschaft gingen und welche Routen sie wohl nahmen. Heute schiebt sich eine ganz andere Frage in den Vordergrund: Warum haben sie es getan?“
Überbevölkerung oder Flucht?
Vor diesem Fragezeichen müssen die Forscher bislang komplett passen. War es wachsender Bevölkerungsdruck in Ostafrika, der die Menschen vor rund 60.000 Jahren in die Ferne zwang? Die karge Fossilienfundlage gibt keine Anhaltspunkte für Überbevölkerung her. Oder flohen die Menschen vielleicht vor etwas?
In niederschlagsreichen Klimaphasen vermehrt sich die tropische Tsetse-Fliege besonders gut, sie überträgt Trypanosomen – die Erreger der Schlafkrankheit. Zu matt zum Aufstehen zu sein, ist für Jäger und Sammler das Todesurteil. Das könnte ein plausibler Grund für eine ganze Population gewesen sein, einen „schlechten Platz“ zu verlassen.
„Sicher ist nur eines“, sagt Scerri zu solchen Gedankenspielen: „Die Expansion kann nicht durch fortschrittlichere Werkzeugtechnologien angestoßen worden sein“ – diese hätten den Wanderwilligen einen Vorteil gegenüber ihren Nachbarn verschaffen können. Indes: „Im Zeitfenster der großen Out-of-Africa-Expansion zwischen 50.000 und 60.000 Jahren unterscheiden sich die gefundenen Werkzeuge in Afrika und in Südwestasien kaum voneinander“, betont die Jenaer Wissenschaftlerin. So stellt sich die nächste Frage: Was machte den modernen Menschen außerhalb Afrikas so erfolgreich, dass er die anderen Menschen dort letztlich verdrängt hat?
Zwei Prozent Neandertaler-DNA
Südwestasien war damals Neandertaler-Land, wie Funde in einem weiten Bogen etwa vom heutigen Israel und Libanon über Nordsyrien bis zum Zagros-Gebirge im Nordirak zeigen. Wann auch immer Gruppen von anatomisch modernen Auswanderern Afrika verließen – via Arabien oder Sinai-Halbinsel –, mussten sie auf dem Weg nach Norden zwangsläufig auf ihre gedrungenen archaischen Vettern treffen. Paläogenetiker haben nachgewiesen, dass sich vor ungefähr 55.000 Jahren Gruppen von modernen Menschen und von Neandertalern miteinander kreuzten.
Seitdem tragen alle heute lebenden Menschen außerhalb Afrikas (südlich der Sahara) ungefähr zwei Prozent Neandertaler-DNA in ihrem Erbgut. War es etwa dieser Schuss Neandertaler-Gene, der den Siegeszug des expandierenden modernen Menschen rund um den Globus erst möglich machte?
Anders Bergström, Paläogenetiker und Erstautor der Nature-Studie, kennt diese Hypothese: „Es gibt Hinweise, dass die Neandertaler damals an moderne Menschen Gen-Varianten weitergegeben haben, die das Immunsystem beeinflussen. Das könnte vielleicht einigen Gruppen geholfen haben, sich außerhalb Afrikas an die neue Umgebung anzupassen.“ Für wahrscheinlich hält Bergström das allerdings nicht, da die Neandertaler-Einsprengsel nach dem Stand des Wissens schädlich auf die Genome der „Modernen“ wirkten und daher rasch bis auf einen harmlosen Rest von zwei Prozent gelöscht wurden. „Ich bezweifle daher, dass dieses Vermischungsereignis mit Neandertalern ausschlaggebend für den Erfolg der Out-of-Africa-Expansion war.“ Was aber war es dann, was diese Expansion glücken und alle Anläufe davor offenbar scheitern ließ?
Die Entwicklung der „Modernen“
Auch die Phase vor der Expanison steckt voller offener Fragen, fanden die Autoren der Nature-Studie. Es ist das Zeitfenster der Entwicklung des modernen Menschen vor 60.000 bis 300.000 Jahren. Sie fand nach dem Stand des Wissens hauptsächlich innerhalb Afrikas statt.
Lässt sich festmachen, wann und wo der früheste eindeutig moderne Mensch auftrat? „Genetisches Material auszuwerten, wäre der klarste Weg, um Fossilien einer bestimmten Entwicklungslinie zuzuordnen“, erklärt Chris Stringer. Doch wegen des tropischen oder subtropischen Klimas blieb in den afrikanischen Fossilien fast nie verwertbare DNA erhalten. „Daher müssen wir die Knochen aufgrund ihrer äußerlichen Merkmale beurteilen, so unvollkommen das auch sein mag“, bedauert der britische Forscher. Denn hier warten die nächsten Probleme.
Die fossilen Schädel Djebel Irhoud 1 und 2 aus Marokko, 315.000 Jahre alt, werden aufgrund einiger Merkmale oft an den Beginn der modernen Entwicklungslinie gestellt. Stringer widerspricht angesichts von deren Rugby-Ball-Form: „Meiner Meinung nach sind das keine modernen Menschen gewesen. Wahrscheinlich repräsentieren Djebel Irhoud 1 und 2 einen frühen Abschnitt der Homo-sapiens-Linie.“ Also noch eine Vorstufe.
Ein unbezweifelbar kugeliges Schädeldach – laut Definition eines der vier Hauptmerkmale des anatomisch modernen Menschen – erscheint in Afrika erstmals vor 195.000 Jahren in Gestalt des Fossils Omo Kibish 1 in Äthiopien, gefolgt von den ebenfalls äthiopischen, 160.000 Jahre alten Funden Herto 1 und 3. Doch damit ist die Frage nach dem Ursprung des modernen Menschen keineswegs beantwortet. Nicht nur, weil der kugelige Schädel aus der griechischen Apidima-Höhle mit seinen 210.000 Jahren noch älter ist. Sondern auch, weil eine fundamentale Frage ungeklärt ist:
Gab es ein einziges spezifisches Evolutionsereignis zwischen 200.000 und 300.000 Jahren, das in einer bestimmten Menschengruppe neben modernen Genen gleichzeitig ein kugeliges Schädeldach, ein vorspringendes Kinn, eine Stirn ohne Überaugenwulst sowie schmale Hüften hervorbrachte?
Oder haben sich stattdessen diese „modernen“ körperlichen Merkmale in unterschiedlichen Gruppen, unabhängig voneinander, gebildet und sich erst später innerhalb einer separaten, bereits genetisch modernen Bevölkerung ausgebreitet?
Das ist ungeklärt. Wann die genetische Modernität entstand, ist nur grob umreißbar. Im Zeitfenster von vor 200.000 bis 250.000 Jahren haben sich vier Haupt-entwicklungslinien innerhalb Afrikas voneinander getrennt, ermittelte eine Arbeitsgruppe um den Harvard-Genetiker David Reich auf Basis von Gen-Analysen heutiger Afrikaner:
die Ahnen der heutigen Biaka, Jäger-Sammler-Gruppen im Regenwald Zentralafrikas,
die Ahnen der Khoisan, Jäger-Sammler in Südafrika,
die Ahnen sämtlicher anderen modernen Menschen, also auch die Vorfahren der späteren Auswanderer, sowie
eine bislang unbekannte Gruppe – Reich nennt sie „Geistervolk“ („Ghost population“), weil sie nicht durch Fossilien, sondern nur anhand von DNA-Einsprengseln erkennbar wird. Sie hat einen kleinen Teil zu den Genomen von West- und Ostafrikanern beigetragen.
Große genetische Unterschiede
Doch nicht nur die Hauptstränge unterscheiden sich, auch innerhalb dieser gibt es eine große genetische Varianz. Nirgendwo auf der Welt findet sich bis heute mehr genetische Vielfalt als bei den Menschen Afrikas südlich der Sahara. Alle anderen Menschen sind im Vergleich zu ihnen genetisch deutlich einförmiger. Warum dieser Unterschied? Zwei Hypothesen stehen einander gegenüber:
Erstens – die Menschen in Afrika waren in ferner Vergangenheit in stark isolierte Bevölkerungsinseln aufgesplittert, in denen sich archaische DNA-Segmente unvermischt erhalten konnten. Die Genetiker nennen dies eine „tief strukturierte“ Bevölkerung.
Zweitens – die gefundenen archaischen DNA-Einsprengsel stammen aus Vermischungen mit Restpopulationen des archaischen Homo sapiens in Afrika. Laut den Gen-Analysen müssten das Gruppen sein, die sich schon vor etwa 0,9 bis 1,4 Millionen Jahren von der Linie abgespalten hatten, aus der später die „Modernen“ entstanden sind. Diese archaischen Gruppen könnten in Rückzugsgebieten überlebt und sich dann viel später wieder mit den „Modernen“ vermischt haben. „Super-Archaische“ heißen sie im Forscher-Slang.
„Möglicherweise sind beide Szenarien richtig“, meint Afrika-Expertin Eleanor Scerri. Allerdings: „Wenn wir das Gesamtbild in den Blick nehmen, dürfte die Aufspaltung in lange isolierte Gruppen die Menschheitsentwicklung deutlich stärker geprägt haben als die Vermischung mit Gruppen älterer Homininen“, wagt sie einen persönlichen Tipp.
In dieselbe Richtung weist ein aktuelles Forschungsergebnis, auch in Nature veröffentlicht: Ein Team um die Anthropologin Jayne Wilkins stieß in der südafrikanischen Kalahari auf 105.000 Jahre alte Kultobjekte. Regelmäßig geformte Kalzit-Kristalle und Fragmente von Straußeneierschalen lagen unter einem Felsvorsprung auf dem Ga-Mohana-Hügel.
Ein spirituelles Zentrum im Nirgendwo
Bislang waren viele Forscher der Ansicht gewesen, Verhaltensinnovationen in der frühen Menschheitsgeschichte hätten vor allem entlang der afrikanischen Küsten stattgefunden. Doch dieser Fundplatz liegt 600 Kilometer vom Meer entfernt – ein spirituelles Zentrum mitten im Nirgendwo. Solche geografisch isolierten Keimzellen für die Entwicklung zum modernen Menschen könnten charakteristisch für jene Epoche gewesen sein. Für die Phase davor, die Zeit zwischen 300.000 und einer Million Jahren, überstrahlt eine zentrale Frage alle anderen: Aus welcher archaischen Vorläuferpopulation haben sich – laut Computermodellierungen vor etwa 630.000 Jahren – die einzelnen Linien abgespalten?„Es ist unmöglich, irgendein Fossil aus dieser Zeit mit Sicherheit als letzten gemeinsamen Vorfahren zu identifizieren“, betont Chris Stringer. „Es gibt kaum Indizien dafür, wo die letzten gemeinsamen Vorfahren von modernen Menschen, Neandertalern und Denisovanern gelebt haben.“
Der letzte gemeinsame Ahne
Drei prinzipielle Kandidaten für den letzten gemeinsamen Ahnen nennt der britische Paläoanthropolioge dann doch, mit einem dicken „möglicherweise“:
die eine Million Jahre alten Homininen-Fossilien von Buia/Eritrea,
die menschlichen Überreste von Ternifine (neuer Ortsname: Tighenif) in Algerien, die 700.000 bis 800.000 Jahre alt sind,
und sogar einen Kandidaten außerhalb Afrikas: den „Homo antecessor“, dessen 650.000 Jahre alte Fossilien in der Gran-Dolina-Höhle in Nordspanien ans Licht kamen. Die erhaltenen Rückstände von Zahnschmelz-Proteinen legen nahe, dass Homo antecessor mit dem letzten gemeinsamen Vorfahren des modernen Menschen, Neandertalers und Denisovaners zumindest nahe verwandt war.
„Es ist zu früh, um auszuschließen, dass die Ahnen unserer Linie tatsächlich in Eurasien gelebt haben könnten“, erklärt Stringer. So sei etwa auf dem indischen Subkontinent bislang kaum nach menschlichen Fossilien aus der Zeit vor 500.000 Jahren gesucht worden.
Er und seine Forscherkollegen hätten sich in der Vergangenheit zu sehr auf Afrika als alleinige Wiege des modernen Menschen fokussiert, räumt Stringer dann ein und ergänzt: „Ich glaube, wir sind bei dieser Fragestellung zu dogmatisch gewesen.“
Erde & Umwelt
Unterirdische Wurzelpilz-Netzwerke sind Billiarden Kilometer lang
12. Juni 2026
Verborgene Netzwerke: Die mit Pflanzenwurzeln verbundenen Mykorrhiza-Pilze bilden ein gigantisches, weltumspannendes Geflecht. Insgesamt…
Erde & Umwelt
Jahrhundert-Sturmfluten ereignen sich heute alle acht Jahre
12. Juni 2026
Extreme Sturmfluten ereignen sich heute zwölfmal häufiger als noch im Jahr 1900, wie neue Analysen zeigen. Demnach traten solche…