Wären die Toasterflügel damit eine evolutionäre Anpassung? Eine Adaptation? Woran hätten sich die Toaster denn damit zum eigenen Vorteil angepasst? Um als Adaptation zu gelten, sollte die fragliche Eigenschaft schließlich durch einen bestimmten Selektionsdruck geformt worden sein. Das heißt, die Toaster sollten in ihrer unmittelbaren Umwelt einem Problem gegenüberstehen, dem sie durch die Neuentwicklung von Flügeln besser als vorher begegnen können.
Dieses Problem könnte beispielsweise darin bestehen, dass zuletzt verstärkt Toasterfresser aufgetaucht wären, die unter den unbeweglichen Toastern leichte Beute machen. In diesem erweiterten Szenario könnten sich aufgrund des anhaltenden Selektionsdrucks wohl tatsächlich Flügel entwickeln und in der gesamten Toaster-Population durchsetzen. Und sie würden als klare Anpassung an eine durch die Toasterfresser dramatisch veränderte Umwelt gelten. Denn ohne Flügel als effektives Fluchtwerkzeug würden sie in dieser Situation sicherlich bald ausgestorben sein.
Ob Toasterfresser tatsächlich die Ursache für die Anpassung waren, müsste aus wissenschaftlicher Perspektive jedoch erstmal nachgewiesen werden. Vielleicht steht das Toastbrot neuerdings auch einfach sehr weit oben in den Regalen. Oder war es möglicherweise schlicht der Zufall, der die Toaster evolutionär beflügelte? Unser fiktives Szenario macht also deutlich, dass die konkreten Treiber der Evolution meist nicht offensichtlich sind. Weshalb es oft gar nicht so leicht zu entscheiden ist, ob eine beobachtete Eigenschaft tatsächlich eine Adaptation darstellt – oder ob sie sich vielleicht ganz anders entwickelt hat.
Alles Adaptionismus?
Viele Evolutionsenthusiasten schossen in dieser Frage lange Zeit weit über das Ziel hinaus: Sämtliche Eigenschaften eines Organismus seien durch Anpassung entstanden, war ihr Credo. Erst in den 1970er-Jahren begannen Skeptiker langsam, diesen „Adaptationismus“ zu hinterfragen. Und tatsächlich fanden sie jede Menge Eigenschaften, bei deren Etablierung offenbar keinerlei Adaptationsprozesse im Hintergrund standen, sondern tatsächlich reiner Gendrift – also zufällige genetische Veränderungen, die sich ohne jeden Selektionsdruck in der Population durchsetzten.
Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung des RNA-Editings. Welchen Anpassungswert könnte es denn haben, dass in vielen Boten-RNA-Molekülen (mRNA) nach ihrer Transkription von der entsprechenden DNA-Blaupause immer noch einzelne Basen ausgetauscht werden müssen, damit sie auch exakt „stimmen“? Wenn diese Sequenzkorrekturen so wichtig sind, warum wurden sie dann nicht nach und nach in der zugrundeliegenden DNA fixiert? Dann bräuchten die Zellen das ganze RNA-Editing nicht. Zwei US-Forscher hatten dazu vor einigen Jahren über 1.800 RNA-Editing-Positionen untersucht – und bilanzierten am Ende völlig „un-adaptationistisch“: RNA-Editing sei vor allem entstanden, weil das Editing-Enzym nicht sehr spezifisch arbeitet und in der Zelle womöglich primär ganz andere Aufgaben erfüllt. Somit wäre RNA-Editing also nicht mehr als ein tolerierbarer Nebeneffekt im Stoffwechsel der Nukleinsäuren – statt gezielt als Anpassung zur Lösung eines bestimmten Problems entwickelt worden zu sein.





