Es gibt eine ganze Reihe von Computerprogrammen, die versprechen, dass es mit ihrer Hilfe möglich sei, während des Schlafes zu lernen, das heißt, sich bislang unbekannte Fakten und Zusammenhänge einzuprägen. Doch das ist – und das beweisen zahlreiche Untersuchungen – schlichtweg falsch. Ein Englischbuch unter das Kopfkissen zu legen und am nächsten Tag eine Menge neuer Vokabeln zu beherrschen, funktioniert genauso wenig, wie mittels Online-Erklärvideos die Relativitätstheorie zu verstehen, während man selig mit dem Kopf auf der Schreibtischplatte schlummert. Unser Gehirn ist nämlich während des Schlafs weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Externe Reize und damit auch irgendwelche Lerninhalte dringen so gut wie gar nicht zu ihm durch. Untersuchungen, bei denen Forscher dem Denkorgan mit komplexen Verfahren gleichsam bei der Arbeit zugesehen haben, belegen jedoch eindeutig, dass sich tagsüber Gelerntes während des Nachtschlafs verfestigt. Wer sich also nach einer Lerneinheit schlafen legt, behält von dem neu Eingeprägten signifikant mehr als derjenige, der wach bleibt. Das funktioniert sogar mit speziellen Lernvorgängen wie etwa dem Üben eines Musikstückes auf einem Instrument.
Denn Lernen bedeutet letztlich ja nichts anderes, als dauerhafte Erinnerungen anzulegen. Dazu müssen im Gehirn unzählige Nervenzellen neu und vor allem stabil miteinander verknüpft werden. Und das klappt während der Nacht besonders gut, weil unser Denkorgan dann nicht permanent durch neu einlaufende Reize abgelenkt wird und sich daher voll und ganz damit beschäftigen kann, bereits vorhandene Inhalte zu verarbeiten, sprich: zu verfestigen. Dabei trainiert es gleichsam neu gelernte Handlungsabläufe, prägt sich Vokabeln und mathematische Formeln ein, vergleicht, gewichtet, bewertet und sortiert – und das alles, ohne dass wir davon das Geringste mitbekommen. Es bringt also durchaus etwas, nach einigen Stunden intensiven Lernens ins Bett zu gehen, um das, was man sich mit viel Mühe eingeprägt hat, intensiv zu „überschlafen“.





