Denn Lernen bedeutet letztlich ja nichts anderes, als dauerhafte Erinnerungen anzulegen. Dazu müssen im Gehirn unzählige Nervenzellen neu und vor allem stabil miteinander verknüpft werden. Und das klappt während der Nacht besonders gut, weil unser Denkorgan dann nicht permanent durch neu einlaufende Reize abgelenkt wird und sich daher voll und ganz damit beschäftigen kann, bereits vorhandene Inhalte zu verarbeiten, sprich: zu verfestigen. Dabei trainiert es gleichsam neu gelernte Handlungsabläufe, prägt sich Vokabeln und mathematische Formeln ein, vergleicht, gewichtet, bewertet und sortiert – und das alles, ohne dass wir davon das Geringste mitbekommen. Es bringt also durchaus etwas, nach einigen Stunden intensiven Lernens ins Bett zu gehen, um das, was man sich mit viel Mühe eingeprägt hat, intensiv zu „überschlafen“.
Vor Kurzem ließen Studienergebnisse von Wissenschaftlern der Universitäten Bern und Birmingham aufhorchen, denen zufolge man zwar im Schlaf nichts Neues lernen, aber Fakten und Begriffe, die man sich vor dem Einschlummern eingeprägt hat, durchaus aktiv verfestigen kann, indem man sie sich während der Nachtruhe vorspielen lässt. Doch die Sache hat einen entscheidenden Haken: Das funktioniert nur, wenn diese Berieselung in ganz speziellen, maximal eine Sekunde dauernden Schlafphasen erfolgt. Und diese lassen sich einzig mithilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG), also einer Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns, exakt bestimmen. Was nichts anderes bedeutet, als dass der praktische Nutzen dieser Erkenntnis gleich Null ist.
Dagegen ist es durchaus sinnvoll, Entscheidungen, die man am Abend nach langem Hin- und Herüberlegen getroffen hat, nicht sofort in die Tat umzusetzen, sondern ebenfalls erst mal eine Nacht darüber zu schlafen. Denn wenn wir müde sind, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen unserem emotionalen Bauchgefühl und dem rational operierenden Gehirn eher schlecht. Das sieht am nächsten Morgen ganz anders aus.





