Diese Zeilen fielen mir ein, als ich in der Zeitschrift „New Scientist“ ein Interview mit dem Computerwissenschaftler Josh Bongard las, der das betreibt, was er „evolutionary robotics“ nennt. Damit versucht er, das bislang harte Material der Maschinen – die Menschen wegen ihrer „Künstlichen Intelligenz“ in Staunen versetzen – durch weiche Komponenten zu ergänzen oder auszutauschen, um die eher mit sprachlichen Mitteln betriebene künstliche Intelligenz sinnlich werden und Kontakt mit der realen Welt aufnehmen zu lassen. Was die Ingenieure versuchen, könnte man die Verkörperung der Kognition nennen.
Schon länger bemühen sie sich außerdem darum, die der Natur gelingende Verkörperung von Energie nachzubauen. Das Verlockende einer solchen „embodied energy“ besteht darin, dass die Organismen, die damit leben, weder eine Batterie noch eine Anbindung ans Stromnetz benötigen.
Nun ist die Idee des Verkörperns auch bei der Kognition angekommen, also bei der Wahrnehmungs- und der Erkenntnisfähigkeit von Menschen – mit der besser zurechtkommt, wer evolutionäre Aspekte beachtet und damit nicht zuletzt umfassend auf das eingeht, was geschieht, wenn aus fröhlichen Kindern erst pubertierende Rotznasen und dann (hoffentlich) seriöse Erwachsene werden. Was immer sich dabei in einer Person im Laufe der Zeit als Bewusstsein, Weltverständnis oder Menschenkenntnis entwickelt, braucht einen Körper, in dem Geistiges (Mentales) entsteht und zum Ausdruck kommt und mit dem die Phantasie loslegt und sich austoben kann.
Wenn Psychologen diese analysierbare „embodied cognition“ erforschen, erkunden sie im Detail, wie körperliche Zustände das Denken beeinflussen und wie das jeweilige Handeln und Verhalten davon betroffen und beeinflusst werden. Ein Hinweis steckt hierbei in der Verwendung des Wortes „Manipulation“, das auch Mathematiker verwenden, wenn sie versuchen, sich die Körper in ihrer Gedankenwelt vorzustellen und mit ihnen zu hantieren.
Auf diese Weise stellt sich fast von selbst eine Brücke zwischen den beiden Sphären her, die als Geist und Materie – oder als Leib und Seele – unterschieden werden und im Abendland als getrennt betrachtet und behandelt wurden, seit René Descartes im 17. Jahrhundert die „res cogitans“ von der „res extensa“ trennte und den vor den Menschen ausgebreiteten Dingen trotz all ihrer Begreifbarkeit keinerlei Geist zutraute, auch wenn sie lebten. Unabhängig davon wird die kommende künstliche Intelligenz als verkörperte Kognition auftreten, und die Prognose von Josh Bongard lautet, dass diese Fähigkeit der weichen Roboter in ihren Bauteilen steckt und es keinerlei Programmierung bedarf. Die braucht es bei einem Menschen auch nicht. Oder glaubt das noch jemand?





