Das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wäre im letzten Jahr noch nicht denkbar gewesen: Kostenlose Schnelltests für alle als wirksame Waffe im Kampf gegen die Pandemie. Die Hersteller werden mit ein paar Anlaufschwierigkeiten den Plan des Ministers erfüllen können. Doch die Debatte um den Einsatz von Tests in der Corona-Pandemie ist damit nicht beendet. Dabei geht es um mehr als nur um wissenschaftliche Fragen, vor allem wenn die Tests nicht nur in Testzentren, Arztpraxen oder Apotheken von Fachpersonal, sondern auch von Laien durchgeführt werden.
Denn wer einen Schnelltest für Zuhause kauft, übernimmt eine große Verantwortung. Wie geht die Familie damit um, wenn der morgendliche Test ein positives Ergebnis zeigt? Sollen die Eltern sich beim Arbeitgeber krankmelden, die Kinder zur Sicherheit von Kindergarten oder Schule fernbleiben? Und wie reagiert eine Schule, ein Unternehmen oder Restaurant, wenn Selbsttests auf dem Gelände positiv ausgefallen sind: die Betroffenen heimschicken oder das Quarantäneteam rufen?
In Deutschland fehlt beim Umgang mit solchen Szenarien die Erfahrung. Dabei können die Folgen drastisch sein. Den positiv Getesteten droht mindestens eine Woche Quarantäne, bis ein gesicherter PCR-Test vorliegt. Das Infektionsschutzgesetz sieht sogar Haftstrafen für Menschen vor, die inkauf nehmen, andere anzustecken.
Bei aller Euphorie über die einfache Bereitstellung der Corona-Tests für jedermann wurden die Konsequenzen eines positiven Tests bisher kaum diskutiert. „Es muss klar sein, dass bei einem positiven Testergebnis eine Kaskade von Maßnahmen erfolgen muss“, forderte Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health an der Berliner Charité bereits im Februar. „Es hat Konsequenzen nicht nur für die Einzelperson, sondern meistens für die komplette Familie“, ergänzt er und verweist auf die Gefahr, dass positive Testresultate ohne Symptomatik aus diesem Grund nicht gemeldet werden. Die Charité stellt deshalb sicher, dass ihre Tests in Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen sorgfältig koordiniert und überwacht werden. Das gilt vor allem für die neuen Testreihen, bei denen Personen ohne Symptome getestet werden sollen, um besser verstehen zu können, wie und wo sich Infektionsketten unbemerkt entwickelt haben.
Schnelltests und Selbstverantwortung
Trotz der Probleme haben Experten keine Zweifel, dass die Ausweitung von Schnelltests ein gutes Mittel für die Bekämpfung der Pandemie ist. Sie helfen vor allem, Menschen mit einer hohen Virenlast aufzuspüren, die als besonders ansteckend gelten. Je schneller solche Infizierte erkannt werden, desto besser.
„Frühe Isolation, das zeigen mittlerweile einige Studien und Modellierungen, hat wirklich Auswirkung auf die Pandemie“, sagt Claudia Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg. Denkinger vertraut nicht nur auf die Strafen das Infektionsschutzgesetz, sie regt auch eine bessere Kommunikation und öffentliche Kampagnen an, um die Selbstverantwortung in der Bevölkerung zu stärken.





