Leider hält sich diese Unwissenheit bei einigen bis heute. Afrika wird oft nur als Katastrophen- und Chaoskontinent wahrgenommen, als Herkunftsort von Rohstoffen und Geflüchteten, nicht aber als Hort der Hochkultur. Dies zu ändern ist der französische Historiker François-Xavier Fauvelle angetreten, dessen beeindruckende Reise durch das afrikanische „Mittelalter“ nun auf Deutsch vorliegt. Das Mittelalter siedelt er als Epoche zwischen dem ersten Bericht des chinesischen Reisenden Du Huan im 8. Jahrhundert und den „Entdeckungen“ der Portugiesen im 15. Jahrhundert an.
Wie er selbst eingesteht, hat Afrika zwar eine reiche Geschichte aufzuweisen, aber an überlieferten Quellen mangelt es, auch wenn die arabischen und selbst chinesischen Berichte, die er benutzt, zum Teil diesen Mangel ausgleichen. Deshalb bezieht er auch archäologische Funde ein, darunter das titelgebende „goldene Rhinozeros“ aus Südafrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mapungubwe gefunden, teilte es das Schicksal vieler afrikanischer Kunstwerke: Es wurde von Weißen vereinnahmt. Für Fauvelle ist es vor allem ein weiterer Beleg für die intensiven innerregionalen Kontakte im afrikanischen Mittelalter.
Reich bebildert und anschaulich geschrieben, entsteht ein beeindruckendes, wenn auch eher impressionistisches Kaleidoskop unterschiedlichster Facetten afrikanischer Geschichte. Wer sich also nach der Lektüre noch immer an Hegel und Konsorten hält, der tut dies absichtlich und will afrikanische Geschichte in ihrer langen Dauer und ihrer Vielfalt nicht wahrnehmen.
Rezension: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer




