Mit einer völlig neuen Wissenschaftsreihe präsentiert sich das Heidelberger Zentrum für Astronomie der Öffentlichkeit. Bis zum 22. Juli spricht an jedem Wochentag ein Astronom zur Mittagszeit in der Universitätskirche. Gibt es eine zweite Erde? So lautete das Thema der Eröffnungsveranstaltung der innovativen Vortragsreihe von Joachim Wambsganß, Direktor am Zentrum für Astronomie. Die Frage wurde von ihm eindeutig beantwortet: ?Als ich studiert habe, war das noch eine philosophische Frage. Wir wussten nichts von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Heute kennen wir 539 Planeten, die um andere Sterne kreisen.?
Doch nicht nur die große Zahl sogenannter Exoplaneten sei es, die die Meinung unter den Astronomen gründlich verändert habe. Auch die Annäherung an erdähnliche Planeten werde immer größer. ?Ich glaube, es ist der Normalfall, dass fast jeder Stern ein Planetensystem hat. Vermutlich werden wir bald erdähnliche Planeten finden.?
Wambsganß, der sich selbst wissenschaftlich bei der Planetensuche engagiert, hofft darauf, dass die momentane Dynamik nicht nachlässt: ?Ich würde es gerne erleben, dass auf einer zweiten Erde Leben nachgewiesen wird.? Schwieriger werde es, mit dem Leben dort zu kommunizieren: ?Das halte ich für völlig ausgeschlossen.? Nicht nur wegen der Entfernungen, sondern auch wegen der extrem kurzen Zeitspanne, in der die Kommunikation aufgrund des erreichten technischen Standards zweier hochtechnisierter Zivilisationen nur möglich ist. ?Um direkt in Kontakt treten zu können, müssten wir statistisch betrachtet eine Million zweite Erden finden.?
Auf die Idee zu dieser Veranstaltungsreihe war Wambsganß durch die Aufforderung der Universitätsleitung gekommen, sich zum 625-jährigen Universitätsjubiläum frische Beiträge einfallen zu lassen. ?Daraus sind jetzt 70 Vorträge geworden, die wir von April bis Juli mit täglich wechselnden Themen und häufig wechselnden Astronomen organisiert haben. Die Vorträge sind auf 15 Minuten begrenzt, anschließend sind weitere 15 Minuten für die Diskussion vorgesehen.? Beim ersten Vortrag am 11. April wurden 76 Zuhörerinnen und Zuhörer gezählt. Es handelte sich um ein breites Publikum: ?Männer und Frauen, einige junge Menschen, einige Senioren sowie ein paar neugierige künftige Vortragende?, so Wambsganß, der hofft, mit dieser Vortragsreihe bei anhaltendem Interesse rund 5000 Interessenten zu erreichen.
Alle Wissenschaftler halten ihre Vorträge unentgeltlich. Die Unterstützung der Veranstaltungsreihe durch die Klaus Tschira Stiftung beschränkt sich auf die Infrastruktur ? etwa die Bereitstellung von Filmkameras. ?Wir zeichnen die gesamte Veranstaltungsreihe auf. Vielleicht interessieren sich ja einige Fachlehrer dafür, die unser Angebot für ihren Unterricht nutzen wollen?, hofft der Astronomieprofessor. Weitere Themen der Veranstaltungsreihe sind das Alter der Sterne, die Entstehung des Mondes, das Ende der Erde und die Vermessung des Weltalls.
Die Veranstaltung findet bis zum 22. Juli jeweils montags bis freitags von 12:30 bis 13 Uhr in der Heidelberger Universitätskirche/Peterskirche (Adresse: Plöck 70) statt. wissenschaft.de – Wolfgang Hess





