Hubers Zusammenstellung über Greuel und Grausamkeit des Kriegsalltages bedrückt besonders durch ihre Nüchternheit und klare, drastische Sprache. Er verzichtet weiterhin auf pathetische Bilder von Kameradschaft und Einigkeit, denn einige der Erzähler entschieden sich, ihre Mitkämpfer zu belügen oder zu desertieren, um ihr Leben zu retten. Vereinzelt misslingt Huber jedoch der Spagat zwischen literarischem Anspruch und atemlosem Frontbericht: Zwischen Dialektbegriffen und Soldatenjargon („Iwan“) eingestreute hochgreifende Metaphern, etwa der Vergleich russischer Panzer mit „hässlichen Fabeltieren“, wirken gezwungen und mindern den unmittelbaren Eindruck der Erzählungen. Die durchaus faszinierende schnörkellose Erzählweise alltäglichen Horrors ist nicht nur von Vorteil: Angesichts immer neuen Kriegsgetöses werden die Schilderungen gegen Ende des Buches zunehmend redundant.
Huber macht von der ersten Seite an klar, dass seine Intention nicht in der historischen Aufarbeitung der Berichte liegt, sondern darin, dem Leser das Grauen des Krieges “nahe zu bringen”. Dies gelingt größtenteils durch eine schlichte Erzählweise und dichte Atmosphäre. Doch durch fehlende historische Kontexte und Erläuterungen nimmt er seinem Publikum die Möglichkeit, das Gelesene kritisch zu reflektieren. „Das Ende vor Augen“ ist dadurch höchstens für solche Leser geeignet, die sich für den Zweiten Weltkrieg und die Perspektive der Soldaten interessieren, ohne eine historische Einordnung des Erzählten zu vermissen.
Rezension: Alexander Tullius




