Nach 75 Jahren liegt nun endlich die erste Übersetzung ins Deutsche von Helmut Ettinger vor und wird sicher auf Freude beim Publikum stoßen; die beiden Bände im Schuber sind schön gestaltet, und auch einige der über 1000 Aufnahmen, die von Ilf gemacht wurden, sind eingearbeitet. Es handelt sich bei dem Text um die originale, unzensierte Fassung. Neben Felicitas Hoppe, der vielreisenden deutschen Schriftstellerin, kommt auch Ilfs Tochter Alexandra in einer Vorbemerkung zu Wort. Zusätzlich sind größtenteils unveröffentlichte Briefe der Verfasser aus Amerika an ihre Familien beigefügt: Heimweh nach den Lieben zuhause, aber auch Kommentare zur Reise und Situation in den USA. Da wird die „tierische Zensur (von Kirche und Politik)“ in Hollywood beanstandet oder die zufällige Begegnung im Baseballstadion mit Upton Sinclair, einem sehr bekannten sozialkritischen Schriftsteller, beschrieben.
Die beiden Autoren waren erfrischend unbelastet: zwar wurde oft und gerne mit der Heimat verglichen, aber ideologisch verbissen waren die beiden nicht. Das brachte ihnen zuhause durchaus auch kritische Kommentare ein, nachzulesen in einem weiteren Anhang, der die ersten Reaktionen sowjetischer Leser aus dem Jahre 1937 enthält: „Schade ist, dass … die Verfasser vom Standpunkt des Arbeiters in vielem nicht recht haben“, meinte etwa ein Lokführer. Doch die Mehrheit ihrer Leser war anscheinend begeistert und fand es „spannend, mit scharfer Beobachtungsgabe und viel Humor geschrieben“. Durchaus praktisch war der Kommentar einer Hausfrau: „Das Einzige, worum ich die Amerikaner beneide, das sind die Ehrlichkeit der Leute und der Einsatz der Elektrizität, besonders in der Hauswirtschaft“.
Es ist kein Reiseführer, und keine ausführliche politisch-gesellschaftliche Abhandlung über die amerikanischen Verhältnisse, wie sie etwa 100 Jahre früher Tocqueville lieferte, aber der Reisebericht ist sehr amüsant und unterhaltsam geschrieben und bietet sicherlich nicht nur für Historiker einen neuen Blickwinkel auf die USA.
Rezension: Timo Widmaier




