Denn die einen sind im Dunkeln. Und die anderen sind im Licht. Und man siehet die im Lichte. Die im Dunkeln sieht man nicht.“ So verkündete es Bertolt Brecht in der Dreigroschenoper, in der es um das Elend des menschlichen Alltags ging. Ebenso lassen sich diese Zeilen aber auch auf die Philosophie der Aufklärung beziehen, in der es um das Elend der menschlichen Unwissenheit ging: Der Welt sollte ihr geheimnisvolles Dunkel im strahlenden Licht der Vernunft genommen werden. Doch inzwischen kommt es anders, als man denkt, was nicht überraschen kann, gehört „Schwarz“ schon immer zu den beliebten Wörtern der Wissenschaft. Sie untersucht zum Beispiel die Strahlung schwarzer Körper und schaltet in ihren kybernetischen Weltmodellen eine Black Box mit anderen zusammen, um schwarze Schafe in der Familie und der Wissenschaft zu verstehen, in der etwas Aus-der-Reihe-Fallendes „black swan“ genannt wird. Kein Wunder, dass schwarze Löcher auf Wohlgefallen treffen, erst recht, seit man ihren Schatten fotografieren kann.
Man könnte listig von der wissenschaftlichen Dialektik der Aufklärung sprechen, da die Menschen zur Dunkelheit drängen und „dark“ zu einer der beliebtesten Vokabeln der Gegenwart machen. Nicht nur in Kriminalromanen, sondern auch in der Realität werden Waffen aus dem Darknet besorgt, die Physik benötigt Dunkle Materie und Dunkle Energie, um ihre Beobachtungen in den Tiefen und Weiten des Kosmos einigermaßen in den Griff zu bekommen, und seit die Biologie ihre Großprojekte mit dem massenhaften Sequenzieren von zellulärem Erbmaterial vorantreibt, kommt sie nicht mehr darum herum, sowohl von „dark genes“ als auch von „dunkeln Proteinen“ zu sprechen.





