Einem Mann namens Steve Jobs war das völlig egal. Ihn interessierte überhaupt nicht, ob man etwas begreift, er wollte die Welt verändern, wie er jedem in Hörweite eintrichterte und wie die Biografien über den Apple-Boss berichten. Als Jobs dann das iPhone vorstellte, hatte er es geschafft, denn tatsächlich ist die Welt seit dessen erster Präsentation im Jahre 2007 anders geworden, wie die überwiegende Zahl der Menschen aus eigener Erfahrung weiß. Kaum einer verlässt noch ohne sein Handy das Haus.
Luke Fernandez und Susan J. Matt beschreiben in ihrem Buch „Bored, Lonely, Angry, Stupid“, wie sich auch ihre Einstellung gegenüber Technologien geändert hat. Während das amerikanische Professorenehepaar früher beim Frühstück aus ihrem Fenster auf einen See in der Ferne schaute, in den Zeitungen blätterte und auf Nachrichten aus dem Radio hörte, über die man reden konnte, starrt es jetzt auf seine Handys – und beide sind meist enttäuscht, weil es da zu viel Ablenkung gibt und die Reaktionen der Außenwelt noch nicht eingetroffen sind, auf die sie warten. Und sie schauen weiter und weiter und weiter …
So machen es viele – mit dem Ergebnis, dass die „American Nervousness“ steigt, wie die Autoren konstatieren und anmerken, dass dieser Begriff aus dem 19. Jahrhundert stammt, als Telegraphendrähte gespannt wurden und erste Eisenbahnzüge unterwegs waren. Von 1930 an wurden Sorgen laut über eine „disruptive human technology“ – damit waren die Fernsehapparate gemeint, die Familien nicht zusammenführten, sondern deren Rituale zerstörten.
Heute schauen viele Menschen lieber auf ihr Display als ihrem Gegenüber ins Gesicht. Die Handynutzer, die sich oft mehr als sechs Stunden täglich etwas vorflimmern lassen, wissen nichts mehr mit sich und ihrer Freizeit anzufangen – außer sie totzuschlagen. Irgendwie ist beides schiefgelaufen – sowohl die Änderung der Welt, die Karl Marx als kommunistische, als auch die, die Steve Jobs als konsumierende Gesellschaft anstrebte. Vielleicht sollte man es der Welt überlassen, sich zu ändern, und die Menschen sollten sich darum bemühen, sie zu deuten. Die Philosophen haben nie etwas anderes getan. Sie brauchen auch kein iPhone.





