An der Universitätsklinik Tübingen wird noch in diesem Jahr eine neue Methode erprobt, frühe Formen von Darmkrebs minimalinvasiv zu entfernen. Das erspart den Patienten die offene Operation, die mit einem höheren Infektionsrisiko und Wundschmerzen verbunden ist.
Die Technik des Eingriffs und die Grundlagen für das Spezialendoskop hat das Team um den Chirurgen Prof. Gerhard Bueß entwickelt. Die Instrumente werden mitsamt Lichtquelle und Kamera durch einen Hohlzylinder eingeführt. “Mit dem flexiblen System können wir den gesamten Darm bis hinauf zum Dünndarm vom Darmausgang her behandeln”, sagt Bueß.
Bisher konnten die Ärzte mit dem Endoskop nur Darmpolypen entfernen. Sie wachsen oberflächlich in der Schleimhaut und werden mit Hilfe einer Metallschlinge abgelöst. Durch das neue Endoskop können die Chirurgen auch Tumore entfernen, die sich bereits in der Muskulatur des Darms angesiedelt haben. Erst wenn in späteren Stadien auch Lymphknoten vom Krebs befallen sind, muß doch konventionell operiert werden.
Aber auch das könnte eine bessere Früherkennung verhindern, meint Bueß. Dazu sollte die Darmspiegelung intensiver als bisher genutzt werden. Sie macht 70 bis 100 Prozent aller verdächtigen Veränderungen in den gefährdeten Teilen des Verdauungstraktes sichtbar. Mit dem bislang verwendeten Test auf Blut im Stuhl (Hämokkult) und dem Abtasten des Enddarms läßt sich nur ein Bruchteil davon feststellen, meist in späteren Stadien. Etwa 30000 Menschen sterben jährlich in Deuschland an Darmkrebs. Diese Zahl ließe sich deutlich senken, wenn die Tumore schon früh erkannt würden. Dann sind die Heilungschancen gut.
Nicola Siegmund-Schultze





