Eine friedlichere und idyllischere Landschaft kann man sich kaum vorstellen: sattgrüne Wiesen, sanfte Hügel und immer wieder der Blick auf die glitzernde Ostsee. Und doch fand hier 1864 eine blutige Schlacht statt, die aus preußisch-deutscher Sicht das gelungene Vorspiel zur Reichsgründung von 1871 war. Noch viel tiefer und bis heute spürbar haben sich die Ereignisse von Dybbøl in das dänische Bewußtsein eingegraben. In der Folge des verlorenen Krieges wurde Nordschleswig oder Sønderjylland (Südjütland), wie die Dänen sagen, preußisch. Dabei blieb es bis zur Volksabstimmung von 1920, in der sich eine Mehrheit für die Zugehörigkeit zu Dänemark aussprach. Als 2001 zum erstenmal eine deutsche Gedenkfeier unter Beteiligung der Bundeswehr in Düppel stattfand, waren die Lokalzeitungen voll mit Leserbriefen. Dybbøl ist für viele Dänen mehr als Geschichte; es ist ein Symbol für ihren Widerstandsgeist – wobei manche Ressentiments weniger mit 1864 als mit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs zu tun haben.
Um sich über die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Krieges zu informieren, empfiehlt sich zunächst ein Besuch im modernen Geschichtszentrum, wo mit Hilfe von Tondokumenten, Fotos und Animationen ein sehr anschauliches Bild der Geschehnisse vermittelt wird, das den Betrachter direkt anspricht. So erleben die Besucher die zunächst vergeblichen Versuche der Preußen, Düppel mit modernster Artillerie sturmreif zu schießen, ebenso mit wie den Tag des entscheidenden preußischen Sturms – aus der Sicht eines dänischen Offiziers, dessen Briefe den roten Faden durch die Geschichte darstellen.
Auf der Freifläche des Geschichtszentrums ist eine Schanze rekonstruiert worden und mit ihr eine Unterkunftsbaracke, die zeigt, unter welch primitiven Bedingungen die dänischen Soldaten ausharren mußten.
Auch außerhalb des eigentlichen Museumsgeländes sind noch überall Spuren des Krieges auszumachen. Zwar stammen die meisten der heute noch sichtba?ren Schanzen aus der deutschen Zeit, als die Gegend zur Festung ausgebaut wurde, doch ist der Verlauf der dänischen Schanzen von 1864 mit weißen Zementstreifen markiert. Zudem helfen Karten und Hinweistafeln, diese in den historischen Gesamtzusammenhang einzubetten.
Zahlreiche Gedenksteine erinnern an die Toten beider Seiten: „Hier ruhen 25 tapfere Dänen“ kann man ebenso lesen wie ähnlich lautende Reminiszenzen an die gefallenen Preußen. Besonders eindrucksvolle Grab- und Gedenksteine haben sich auf dem Friedhof des nahen Broager erhalten – sie erzählen vom Leiden und Sterben junger Menschen und wirken zugleich als Mahnmale für ein friedliches Miteinander, denn auch hier steht Deutsches wie selbstverständlich neben Dänischem.
Vom Geschichtszentrum sind es nur wenige Schritte bis zur Düppeler Mühle. Man passiert dabei das nach der (Wieder-)Vereinigung mit Däne-mark aufgestellte Denkmal für König Christian IX. und einen Fahnenmast, auf dem in luftiger Höhe ein gewaltiger Danebrog flattert. Die Dänen verehren ihre Flagge, die sie stolz als die älteste der Welt bezeichnen, fast kultisch; kaum ein Haus ohne Danebrog, und so darf er in Dybbøl nicht fehlen. Ein Beispiel für diese Verbundenheit findet sich auch in der zum Museum umfunktionierten Mühle: Deren Besitzer während der Auseinandersetzungen von 1864, Jørgen Hansen, war mit ganzem Herzen Däne und blieb dies auch in der Zeit der preußisch-deutschen Herrschaft. Als ganzen Stolz bewahrte die Müllersfamilie einen Danebrog mit dem Monogramm König Friedrichs VI. Zwar war es zwischen 1864 und 1920 verboten, die dänische Fahne zu hissen, doch jeden Sommer „lüftete“ der Müller sein gutes Stück hinter der Scheune …




