Ein anderes, durchaus heiteres Beispiel: In Gegenden, in denen es viele Störche gibt, werden schon immer mehr Babys geboren, und dort, wo die Storchpopulation zurückgeht, lässt auch der Kindersegen nach. Bringen die Vögel also tatsächlich die Babys? Natürlich nicht. Vielmehr gibt es nun mal in ländlichen Gegenden deutlich mehr Störche als in Städten. Und auf dem Land lebende Familien haben, statistisch gesehen, schon immer mehr Kinder gehabt. Kommt es nun aufgrund zunehmender Industrialisierung zu einer allmählichen Verstädterung und damit verbunden zum Übergang von immer mehr Groß- zu Kleinfamilien, wird eben auch der Lebensraum der Störche eingeengt.
Die zwei Beispiele – es gibt noch viele mehr – haben eines gemeinsam: Sie verwechseln Korrelation, also einen wie auch immer gearteten Zusammenhang, mit Kausalität, also einer ursächlichen Verknüpfung. Grund dafür ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Wir neigen dazu, Ereignissen, die zeitgleich oder kurz nacheinander eintreten, eine ursächliche Beziehung anzudichten. Unser Gehirn liebt die Ordnung, es sucht gerne nach Mustern und Ursachen – und tappt dabei immer wieder in derartige Logikfallen. So wie in die folgende, die auch schon Gegenstand von Zeitungsmeldungen war: Wenn im Sommer die Zahl der verkauften Eiscremes und diejenige der Badeunfälle gleichzeitig steigt, bedeutet das keineswegs, dass Eisessen gefährlich ist.
Möglicherweise liegt die tiefere Ursache dieses Phänomens in der menschlichen Evolution. Denn in ferner steinzeitlicher Vergangenheit hatte zweifellos derjenige bessere Überlebenschancen, der bei einem Rascheln im Gebüsch sofort an ein angreifendes Tier dachte und ohne lange zu zögern entsprechende Schutzmaßnahmen ergriff. Heutzutage wird der „Cum hoc ergo propter hoc“-Fehlschluss in Debatten gerne eingesetzt, um Meinungen gezielt zu beeinflussen. Wer Korrelationen bewusst als Kausalitäten verkauft, obwohl er es besser weiß, vereinfacht damit scheinbar komplexe Zusammenhänge – in der Regel zum eigenen Vorteil.
Was lernen wir daraus? Gerade in einer Zeit, in der Schlagzeilen zu allen möglichen Studien permanent auf uns einprasseln, ist kritisches Denken wichtiger denn je. Dazu gehört unabdingbar, scheinbare Zufälle klar von ursächlichen Zusammenhängen zu trennen.





